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So macht Lernen Freude!!!

Kinder besitzen eine angeborene Lernlust. Sie wollen Sprechen, Gehen, Handeln und viele andere Sachen von sich aus lernen.  Damit sie die genannten Themen erlernen benötigen sie weder Schulbücher, Bewertungen, Stundenpläne noch ähnliches, was wir aus unseren Schulen kennen. Sie benötigen dafür eine Umgebung, in der sie sich durch Vorbilder orientieren können und die es ihnen ermöglicht wird im eigenen Tempo die Welt zu entdecken, zu erforschen und „begreifbar“ zu machen. Kinder brauchen eine Atmosphäre, in der sie Verantwortung übernehmen und im Team den Alltag gestalten können. Kinder brauchen Aufgaben, an denen sie wachsen können. Aufgaben, welche gerade im Moment von Bedeutung sind. Kinder müssen den Sinn der Aufgaben spüren. Dies geschieht, in dem man sich in die Gesellschaft mit einbringt, direkt handelt, einem Handwerk nach geht und gemeinsam mit Hausverstand die Situationen des alltäglichen Lebens löst.

So stellen wir uns die Lernorte vor:

Unterstützt uns bitte dabei, dass jedes Kind mit Freude lernen kann und dass Lernorte wie diese entstehen können. Schreibt uns über unser Kontaktformular.

[SERIE „Rudolf Dreikurs“: Teil 4] Statt Belohnung und Bestrafung „Natürliche Folgen“ anwenden

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Belohnung und Bestrafung rufen eine Art von Abhängigkeit hervor und bewirken dadurch auch, dass sich Kinder Strategien überlegen, wie sie zu einer Belohnung kommen bzw. wie sie einer Bestrafung entgehen können.

Was können wir tun, wenn Kinder ungezogen sind und sich Bestrafung und Belohnung als unwirksam erweisen? Nun was geschieht, wenn die Mutter den Kuchen im Herd vergisst? Die natürliche Folge ist, dass der Kuchen verbrennt. Wenn wir einem Kind erlauben, die Folgen seines Tuns zu erfahren, bieten wir eine ehrliche und wirkliche Lernsituation.

Was ist die natürliche Folge, wenn man sein Essen vergisst? Man hat Hunger. Die Mutter eines Kinder könnte in einem solchen Fall erklären, sie fühle sich dafür nicht mehr verantwortlich. Vergisst das Kind es dann wieder, kann die Mutter einfach seine Klage ignorieren. Schließlich ist es nicht ihr Problem. Natürlich wird das Kind sich ärgern, weil das Kind es für Mutters Pflicht hält, für sein Essen zu sorgen. Die Mutter könnte aber ruhig antworten: „Es tut mir leid, dass du es vergessen hast!“ Sollte sie jedoch hinzufügen: „Hoffentlich wird dir das eine Lehre sein!“, würde aus der „Folge“ sofort eine Bestrafung.

Es ist von großer Wichtigkeit, was man sagt. Man will doch dem Kind zeigen, dass es in seiner Macht steht, das bestehende Problem zu lösen, und nicht, dass es tun muss, was wir verlangen.

Die Vorstellung ein Kind hungern zu lassen, ist für viele Eltern furchterregend. Tatsächlich ist es unangenehm zu hungern. Aber wenn ein Kind sein Frühstück ab und zu nicht bekommt, hinterlässt das keinen körperlichen Schaden und das damit verbundene Unbehagen kann das Kind dazu bringen, künftig daran zu denken. Dies wird helfen, die Reibungsfläche zwischen dem Kind und den Erwachsenen zu verkleinern und eine größerer Harmonie entstehen zu lassen, was wichtiger ist als ein Butterbrot.

Wir haben weder das Recht, die Verantwortung für unsere Kinder zu übernehmen, noch dürfen wir die Folgen ihrer Handlungen tragen. Das alles ist ihre Sache.

Ohne Rücksicht darauf, wie viel Mitleid das Kind mit seinem Hunger erweckt, müssen wir dem Kind erlauben, hungrig zu sein, weil dies die natürliche Folge des Nichtessens ist. Es soll weder gedroht noch eine Belohnung (Nachtisch) in Aussicht gestellt werden. Der Schmerz des Hungers wird nicht durch die Bestrafung durch einen Erwachsenen verursacht, sondern ist die Folge der Realität.

Woher kommt es, dass Eltern keine Bedenken haben, mit Bestrafung Schmerzen zu verursachen, auf der anderen Seite aber über die Vorstellung von Hungerschmerz, den das Kind sich selbst zufügt, erschrocken sind? Anscheinend fühlen Eltern sich tief verantwortlich für die Nahrung und kommen sich schlecht vor, wenn ihr Kind nicht genügend Nahrung zu sich nimmt. Unsere übertriebene Sorge um das Essen und das tief verankerte Gefühl der Angst vor Krankheit und Magerkeit sind oft eine Maske. Eltern glauben an ihr Gefühl der Verantwortung, das an sich richtig ist, verdecken aber damit ihr tatsächliches Bestreben zu herrschen: „Ich will, dass mein Kind so isst, wie ich es für richtig finde!“ Es ist der Wunsch zu kontrollieren, der so viele Eltern (und auch LehrerInnen) auf Abwege führt.

Gerade diese autoritäre Kontrolle ist es, gegen die das Kind kämpft. Ist die „Autorität“ beseitigt und hat das Kind nichts mehr, wogegen es kämpfen muss, hat es keinen Sinn mehr, nicht zu essen. Es wird dann sehr wahrscheinlich essen, wenn es auch ein Weilchen dauern und sicherlich Geduld brauchen wird.

Werden natürliche Folgen als Drohung benützt oder aus Ärger „verhängt“, hören sie auf, Folgen zu sein und werden Bestrafung. Kinder entdecken rasch den Unterschied. Sie reagieren gut auf natürliche Folgen, wehren sich aber gegen Bestrafung.

„Die Anwendung natürlicher Folgen setzt ein Fingerspitzengefühl sowie ein Gespür bezüglich der Situation und der Reife des Kindes voraus.“

(Teil 4 aus dem Buch “Kinder fordern uns heraus – Wie erziehen wir sie zeitgemäß?” von Rudolf Dreikurs)

[SERIE „Rudolf Dreikurs“: Teil 2] Freiheit und Verantwortung

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Für viele Menschen bedeutet Demokratie aber nur die Freiheit, das zu tun, was sie wollen. Und so sind auch unsere Kinder an dem Punkt angelangt, wo sie sich gegen Beschränkungen auflehnen, weil sie das Recht zu tun, was sie wollen, als erwiesen betrachten. Dies ist jedoch keine Freiheit sondern Zügellosigkeit.

Wenn jedes Mitglied einer Familie (bzw. einer Gemeinschaft) darauf bestünde zu tun, was ihm gefällt, hätten wir ein Haus voll Tyrannen, dauernde Reibereien wären das Ergebnis. Unfriede stört die zwischenmenschlichen Beziehungen, was wiederum den Streit stärkt und Ärger, Nervosität und Reizbarkeit hervorruft.

Freiheit ist ein Teil unserer Gesellschaft; aber die fast unmerkliche Tatsache, dass wir Freiheit nur haben können, wenn wir auch die Freiheit anderer achten, wird oft nicht erkannt. Niemand kann sich der Freiheit erfreuen, wenn der Nachbar sie nicht auch genießt. Freiheit für alle erfordert Ordnung. Und Ordnung bringt gewisse Einschränkungen und Verpflichtungen mit sich. (=Gesellschaftsvertrag)

Der Begriff der Freiheit schließt auch den der Verantwortung ein. Ich habe die Freiheit, ein Auto zu lenken. Fühle ich mich aber auch frei, eine Einbahnstraße in der falschen Richtung zu befahren, so wird meine Freiheit bald ein Ende finden. Die Freiheit, einen Wagen zu fahren, bringt es mit sich, dass ich die Einschränkungen akzeptiere, die in Übereinstimmung mit den Regeln der Sicherheit für jedermann geschaffen wurden. Wir können nur dann frei sein, wenn auf Ordnung geachtet wird. Diese Ordnung ist nicht durch eine Autorität für deren Wohl auferlegt, sondern sie wird von jedermann zum Wohle aller (im Sinne des Gesellschaftsvertrages) beachtet.

Wohl abgewogene Beschränkungen vermitteln dem Kind ein Gefühl der Sicherheit, das Wissen um den eigenen Platz innerhalb der sozialen Struktur. Ohne solche Sicherheit fühlt es sich verloren und so nimmt sein stetiges Bemühen um Selbstfindung einen destruktiven Verlauf. Wir können dies bei vielen unglücklichen trotzigen Kindern beobachten.

Damit wir unseren Kindern helfen können, müssen wir uns von einer autokratischen Methode, die Unterwerfung fordert, abwenden und Prinzipien verwirklichen, die auf Freiheit und Verantwortlichkeit beruhen. Wir können unsere Kinder nicht mehr zu Willfährigkeit zwingen, sondern müssen sie anregen und ermutigen, freiwillig zur Aufrechterhaltung der Ordnung beizutragen.

„Damit Kinder sich in Freiheit entwickeln können, braucht es einen Gesellschaftsvertrag, der von allen Menschen mit Verantwortung getragen wird.“

(Teil 2 aus dem Buch “Kinder fordern uns heraus – Wie erziehen wir sie zeitgemäß?” von Rudolf Dreikurs)