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Potentialfokussierte Pädagogik made in Tyrol: Der Blick auf das Gelingende

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Potenzialfokussierung stellt die Potenziale jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen in den Mittelpunkt, aber auch jene von PädagogInnen, LehrerInnen, DirektorInnen und auf jeden Fall auch die Potenziale von den Eltern. (Zitat der PFP-Homepage)

So lautet es auf der Homepage der Potenzialfokussierten Pädagogik (PFP). Mächtige Worte, die so jeden einbeziehen, der sich in der Schule sowie in engem Kontakt mit der Schule befindet. Mächtig muss es auch sein, weil es die herkömmlichen Schulkulturen ersetzen will, in denen die Lehrperson ein isolierter Einzel- und Frontalkämpfer im Unterricht ist, DirektorInnen ihren gestalterischen Einfluss auf organisatorische Bereiche beschränken, Eltern keinen Einblick in den Lernprozess haben und Kindern Inhalte stets vorgegeben und Beurteilungen intransparent abgegeben werden.

Günter Lueger arbeitet bereits seit geraumer Zeit an der Entstehung und Umsetzung des Konzeptes der Potenzialfokussierung. Bis vor ein paar Jahren hatte er jedoch das schulische System nicht im Fokus. Das änderte sich mit Andreas Wurzrainer, der an der Volksschule Itter (Tirol, Österreich) das Konzept des Potenzialfokussierten Lernens entwickelte.

Potenzialfokussierung heißt für jede Schülerin und jeden Schüler seine eigene ganz individuelle Entwicklung zu ermöglichen. Diese Entwicklung kann nicht „gelehrt“ und „verordnet“ werden, sondern es müssen „Entwicklungsräume“ geschaffen werden, die Potenzialentfaltung ermöglichen. (Andreas Wurzrainer, Zitat der PFP-Homepage)

Diese Entwicklungsräume werden von den Lehrpersonen so gestaltet, damit jedes Kind Verantwortung für sein Lernen übernehmen kann. Denn die Kinder sind es, die ihre nächsten lernrelevanten Schritte kennen. Das führt zu einer Individualisierung des Lernweges aller Kinder in einer Art und Weise, die NICHT von der Lehrperson bestimmt wurde, sondern von den Kindern selbst. Das macht den entscheidenden Unterschied im Vergleich zu herkömmlichen Schulsystemen aus, in denen die Lehrperson alle Schritte der Kinder vorausplant.

Bild 1: Die vier wesentliche Fragen an die SchülerInnen zur Selbsteinschätzung
Bild 2: Farbtafel mit den 4 Farben (grün, gelb, blau, rot) als Bezeichnung von „gut gelungen“ bis „noch nicht gelungen“
Bild 3: Auch Hausübungen werden mit den Farben bewertet

Bücher, Videos und prominente Persönlichkeiten wie Dr. Philip Streit, Vertreter der Positiven Psychologie, verbreiten die Idee der Potentialfokussierte Pädagogik. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die PFP nicht als rezepthafte Methode, sondern als wertschätzende Haltung mit einem Fokus auf das Gelingende gesehen werden soll. Sie ersetzt herkömmliche Haltungen, durch die Lehrpersonen das unbestreitbare „Sagen“ haben und Kinder nicht um ihre Meinung gefragt werden.

Die PFP zeigt einen Weg, wie Schulen sich neu gestalten, Kinder ihren Lernweg selbst entscheiden und Lehrpersonen als wertvolle Entwicklungsbegleiter agieren können. Es ist mehr als nur einen Blick wert. Einige Schulen Tirols haben bereits ihre Schulsysteme umgestellt bzw. eine Ausbildung zum „Potentialfokussierten Pädagogen“ gemacht.

Das Tiroler Schulwesen bricht auf

Logo Volksschule im Aufbruch
Logo Volksschule im Aufbruch

Nach einer intensiven, ganz Tirol umfassenden Abfolge von Symposien zum Thema „Volksschule im Aufbruch“, welches sich vor allem auf den Übergang vom Kindergarten in die Volksschule konzentriert, begeben sich nun über 70 Lehrpersonen und KindergartenpädagogInnen partizipativ in vier autonomen Gruppen auf einen gemeinsamen Weg zur Auffrischung und Veränderung der Tiroler Schulstrukturen.

Dieser lange Satz bedeutet die bereits intensive Vorarbeit des Tiroler Landesschulrates, von dem die Intitiative ausging, sowie der Mitarbeit einiger Bildungsbereiche, wie der PHT, an diesem großen Projekt. Menschen aus ganz Österreich gaben Impulse, wie das Lernen an den Schulen anders gestalten werden kann. Tirol kann anders, so lautet der Ruf, wenn wir alle zusammenarbeiten und uns neue Ideen überlegen. Wenn wir genau hinschauen, gibt es bereits genügend Beispiele, wie Schule anders sein kann. Was fehlt, ist das entsprechende Licht und die notwendigen Ressourcen, um diese Orte stärker leuchten zu lassen.

Dazu wurde diese Initiative ins Leben gerufen!

Die engagierten Kräfte haben sich auf folgende vier Bereiche aufgeteilt:

  • Gestalten des Übergangs Kindergarten – Volksschule
  • Sprachbildung mit Fokus auf die Erstsprache/Mehrsprachigkeit
  • Lernverlaufsdokumentation (vorher „Kompetenzraster“)
  • Mehrstufenklassen

Die Arbeit in diesen Gruppen findet autonom statt. Das heißt, alle Beteiligten organisieren sich selbstständig und haben freie Wahl bei der Auswahl der Mittel. Einzig und allein das Ziel bestimmt den Zweck des Engagements: Nächstes Jahr werden die Ergebnisse dem breiten Schulpublikum zur empfehlenswerten Verwendung veröffentlicht.

Mag sein, dass Betroffene denken, dass das Produkt niemanden interessieren und in einer Schublade landen wird. Nur wenn wir nie etwas machen, dann wird sich erst recht nichts ändern. Das Bedürfnis, etwas zu verändern, ist stärker als die Möglichkeit des Scheiterns. Deswegen brauchen wir Menschen, welche die ohnmächtige Empörung in positive Energien wandeln und diesen Menschen und den Schulen neue Kraft geben. Diese Kraft wird aus der gemeinsamen Zusammenarbeit geschöpft, der gemeinsamen Hoffnung auf eine veränderte Schulkultur.