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Besuch der Lernwerkstatt im Wasserschloss (NÖ)

„Wo Kinder Kinder und Erwachsene Erwachsene sein dürfen. Und wo Mensch Mensch sein darf.“

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Am 16. Mai 2015 lud die Lernwerkstatt im Wasserschloss in Pottenbrunn, eine alternativpädagogische Schule mit Öffentlichkeitsrecht für Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren, zum 25-jährigen Jubiläum ein. Diese Schule gilt als eine der größten alternativpädagogischen Schule in Österreich und hat als einzige einen eigenen Lehrplan vom Ministerium approbiert bekommen. Der Weg dorthin war mit vielen Hürden und Steinen gesäht, der nun nach vielen Mühen in ein Feld erfolgreicher Absolventen und Absolventinnen, großen Engagements des tragenden Elternvereins und zahlreicher Unterstützung von außerhalb gemündet ist.

Stefan und ich haben diese Schule besucht und bereits der erste Anblick war beeindruckend: Eine Schule in einem Schloss! Schon allein die Vorstellung, in alten Gemäuern zu lernen, faszinierte uns. Die Schule zeigte sich mit ihrem hohen Turm schon von Weitem und als wir ankamen, war das Fest bereits in vollem Gange. Es gab zahlreiche Stände mit Vereinen aus der Region, genussvollem Trinken und Essen sowie ein vielfältiges Programm mit Symposien, Vorstellungen der Kinder, Führungen und Bereichen, wo die Gäste die Lernkultur aus erster Hand erfahren und erleben durften.

Aus den Gesprächen mit den Gästen, den Symposiumsteilnehmer_innen und den Lernbegleitern der Schule hörten wir Vieles heraus, das für die Lernkultur vor Ort sprach. Hier lernen alle Kinder in ihrem eigenen Tempo, so die Vertreterin der Landesregierung während der Eröffnung.  Die Schulleiterin wies darauf hin, dass die Lernwerkstatt eine Schule sei, in der die Kinder das Ende der Ferien herbeisehnen. Er sei auch ein Ort der Inspiriation für die unzähligen Interessent_innen aus dem pädagogischen Bereich und für das österreichische Bildungssystem. Die Mitbegründer der Lernwerkstatt waren Eltern, die ihren Kindern nicht mehr zusehen konnten, wie sie den Leistungserwartungen der Regelschule nicht erfüllen konnten bzw. wollten. Das war einer der größten Gründungsimpulse. Der Lehrplan der Lernwerkstatt stellt den traditionellen Ansatz einer Regelschule auf den Kopf: „Weder der Lehrplan noch die Lehrperson dirigiert das Lernen der Kinder, sondern die Dynamik der Kindesentwicklung selbst.“

Eine der größten Gegner alternativpädagogische Modelle, wie sie auch die Lernwerkstatt erleben musste, sind die Übersetzungsarbeit für die Sprache und den Inhalt sowie die eigenen Sorgen um die Entwicklung des Kindes mit Fragen wie „Wann lernen die Kinder endlich etwas?“ „Lernen sie das, was sie ‚können sollten‘, überhaupt noch?“.

Der Glaube an den Lernwillen und die Lernkapazität der Kinder liegt im Fundament der Lernwerkstatt und allen beteiligten Personen. Er ist das pädagogische Konzept und erlaubt den Kindern, von den Inhalten dann zu lernen, sobald sie bereit sind. Die Lernbegleiter_innen geben Angebote, unterstützen bedarfsorientiert und entscheiden gemeinsam mit den Kindern, was sie machen und machen werden. Die fortwährende Selbst- und Fremdreflexion ist eine der großen Säulen dieses Konzeptes.

Und die Lehr- und Lernhaltung der Lernwerkstätte wirkt! Der Großteil der Absolventinnen und Absolventen geht an eine weiterführende Schule, erwirbt die Matura und beginnt mit einem Studium. Einige weitere werden selbstständig: Kunstschaffende, Musikanten, Schauspieler_innen etc. Sie alle gehen ihren Weg und finden ihr Glück. Einen kleinen Vergleich mit dem traditionellen Regelschulwesen lassen wir uns an dieser Stelle nicht entgehen: „Welcher Bildungsweg ist nun der richtige?“ „Welcher macht glücklicher?“ „Welcher ermöglicht den Kindern Entscheidungen, die sie selbst treffen und nicht bestimmt bekommen?“ „Welcher unterstützt die Kinder eher in Vorbereitung auf das Bestehen in der zukünftigen Gesellschaft?“

Diese Fragen und viele weitere beschäftigten uns auf unserer Heimfahrt. Wir wollen nun mit jenen Gedanken abschließen, mit denen wir uns nach dem impulsreichen Besuch auseinandergesetzt haben. Es sei vorausgesagt, dass nur durch das persönliche Erleben anderer wie fremder Kulturen Nähe und Verständnis aufgebaut werden kann. Wer das nächste Mal von etwas spricht, das er selbst noch nicht erlebt hat, sollte seine Aussagen mehrfach hinterfragen und vielleicht jene zu Wort kommen lassen, die bereits davon genug erlebt haben.

Gedanken: Lernwerkstatt – Stefan Hasenauer (Rohfassung Interview)

Erkenntnisse aus der Schulführung

Bis zum nächsten Besuch in einer der vielen Lernkulturen der Potentialentfaltung!