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Schule im Aufbruch – haucht Leben in das Schulsystem

Schule im Aufbruch

Ich war dort, am ersten „Schule im Aufbruch“-Tag am 28.2.2014 in Wien. Es kamen über hundert Menschen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz angereist, der Saal war voll. Noch mehr Menschen wollten kommen, doch sie mussten leider auf ein ander Mal warten. Zu groß war das Interesse der Bildungsveränderer, die in Schule im Aufbruch einen großen Hoffnungsschimmer sahen.

Rückblick

Die Initative begann in Deutschland, gegründet von Margret Rasfeld, Gerald Hüther und Stephan Breidenbach. Sie waren bei Kanzlerin Angela Merkel und haben mit ihr über das deutsche Schulsystem und seine negativen Auswirkungen auf die Menschheit gesprochen. Das Gespräch ließ weitere Energien frei. Der Film Alphabet, die Roadshow „Lernlust statt Schulfrust“, das Filmprojekt Augenhöhe, sie alle begleiten die Idee des Wandels unserer Schul- und Arbeitswelt. Schule im Aufbruch spricht von einer „neuen Lernkultur der Potentialentfaltung“.

Einfluss in Österreich

Der erste Schule im Aufbruch-Tag in Wien gab den Anstoß zu Veränderungen in Österreich. Von Wien aus breitete sich der Aufbruch herkömmlicher Schulsysteme nach Niederösterreich, der Steiermark, Oberösterreich und Tirol aus. Bald werden auch Salzburg, Vorarlberg und alle weiteren Bundesländer davon in gutem Sinne betroffen sein. Der erste Schule im Aufbruch-Tag in Tirol soll im Herbst 2016 stattfinden. Die Vorbereitungen laufen bald an!

Konkret sehen wir die Veränderungen im Denken bereits in der politischen Handlungsweise: Die bald erscheinende Bildungsreform am 17. November soll einige moderne Verbesserungen, wie autonomere Schulverwaltungen, offenere Lehrpläne und eine gestärkte Elementarpädagogik bieten. Unterstützt wird diese Reform von einer weiteren Bildungsinitative: Neustart Schule der Industriellenvereinigung. Sie beide eint der Wunsch nach Veränderungen im Bildungssystem.

Warum brauchen wir Schule im Aufbruch?

Die Gesellschaft hat sich verändert. Wir leben inmitten einer noch nie dargewesenen Vielfalt an Lebensformen. Traditionelle Familienstrukturen sind aufgebrochen. Die neuen Medien gestalten unsere Kommunikation mit der Umgebung von Grund auf neu. Die Arbeitswelt erwartet Flexibilität, Teamfähigkeit sowie Selbstständigkeit. Der technische Fortschritt lässt uns leichter und schneller von einem Ort zum anderen reisen. Unterschiedliche Kulturen vermischen sich immer stärker.

Schule im Aufbruch nimmt auf diese Veränderungen Rücksicht. Nicht alle Kinder sollen an einem Lehrplan ausgerichtet werden, sollen dasselbe Wissen in sich aufnehmen, von einer Lehrperson abhängig sein und durch Noten unfair behandelt werden. Nein, jedes einzelne der Kinder soll seine Talente selbst entdecken und in wohltuender Begleitung der Erwachsenen seine Potentiale entfalten dürfen. Wissen wird in dieser Gemeinschaft multipliziert, da jede und jeder etwas anderes lernen darf. Die enge Beziehung der Erwachsenen zu den Kindern ermöglicht intensive Gespräche, gegenseitiges Vertrauen und folgendermaßen eine Stärkung ihrer Persönlichkeit. Die Kinder erkennen Verantwortung für sich und andere aufgrund ihrer Zusammenarbeit in der Gemeinschaft als Teil ihres freien Denken und Handelns.

Kurzum, aus den Kindern werden Erwachsene, die ihre Talente reichlich gefördert haben, sich ihrer Verantwortung in der Gesellschaft bewusst sind und mit anderen auf Augenhöhe denken und handeln.

Wir stehen und gehen inmitten eines kulturellen Wandels

Was kann wichtiger sein, als eine Gemeinschaft von Menschen, in der sich jeder Einzelne auf seinem Weg entwickeln kann, durch die anderen positiv gestärkt wird und die Fähig- und Fertigkeiten anderer Persönlichkeiten wertschätzt? Wir leben im Moment eines großen Wandels: Weg von bürokratisierten, ideologisch verhärteten, verfeindeten Bildungsgesellschaften hin zu freien, verantwortungsvollen, vielfältigen, wertschätzenden Lerngemeinschaften. Schule im Aufbruch ist ein essentieller Teil dieses Wandels.