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Die Schule – Ein Ort der Leistung?

Die Leistungsformel mal anders
Mit der Kraft der Physik das Schulsystem auf ein neues Fundament stellen.

Gegründet auf einem pädagogischen Fundament, das dem Nützlichkeitsprinzip unterworfen wurde, haben sich die Schulen bislang an ihre traditionelle Rolle geklammert. In ihren Grundfesten beweist die Schule immer wieder, wie robust sie gegenüber Veränderungen ist. Die Angst, Schulen könnten sich in Lernorte auflösen, die voneinander unabhängig, verschiedene pädagogische Konzepte anwendend, Menschen unterschiedlich erziehend ihre Wege gehen, hat das zentral organisierte Schulsystem weitgehend gleich bleiben lassen. Bereits wenige Beispiele bezeugen diese Behauptung:

  • Der Unterricht erfolgt meist durch eine Lehrperson, die als „Vorgesetzte“ der Klasse die Regeln, den Ablauf, die Lernziele – kurz gesagt „alles“ – festlegt. Der Einfluss der SchülerInnen ist minimal.
  • Die SchülerInnen werden prinzipiell belehrt. Das heißt, ihre Entscheidung, was gelernt wird, wird zumeist weggedrängt. Es zählt die Vorgabe der Lehrperson, der Schule. Es heißt, SchülerInnen müssen von Erfahreneren (den Erwachsenen) gelehrt werden. Selbstständige Versuche, sich Wissen anzueignen, werden unterdrückt.
  • Eltern werden bewusst aus dem unterrichtlichen Ablauf ausgeklammert. Einzig und allein Elternsprechtage und Schulforen erlauben den Eltern auf gesetzlicher Basis Einsicht in das Unterrichtsgeschehen. Generell ist ein regelmäßiger Austausch der Schule mit den Eltern nur auf „Problemschüler“ begrenzt.
  • Das Schulsystem wird größtenteils zentral reguliert. Die Schulleitung ist der hierarchische Vorgesetzte der Lehrpersonen, wiederum eingebettet in einem großen bürokratisch, hierarchisch organisierten System, das durch Verordnungen und Gesetzen von oben den Unterricht am Standort kontrolliert. Der Einfluss der Schulleitung begrenzt sich auf die dienende Umsetzung der Gesetze sowie organisatorische Angelegenheiten.

Sicherlich werden einige LeserInnen bestreiten, es gäbe doch reformpädagogische Ansätze, Schulversuche, private Initiativen, Lehrpersonen, die ihren Unterricht neu gestalten und Schule, die mit neuen Konzepten auffahren. Doch jene innovativen Orte sind entweder rar, haben eindeutig politische Unterstützung, überleben nur in Privatschulen, oder sind und bleiben einfach „nur“ SchulVERSUCHE.

Schulen versus Lernorte

Niki Glattauer, ein bekannter Schriftsteller und Lehrer in Wien, zeigte in einem Gespräch mit Stefan Hasenauer den markanten Unterschied zwischen Schulen und Lernorten auf:

In Schulen richte man den Fokus auf Leistung, in Lernorten hingegen auf ein ganzheitliches, nachhaltiges Lernen.

Lernorte der Gemeinschaft sind keinesfalls leistungslos, sie legen ihren Fokus jedoch auf einen wesentlicheren Teil des Lebens: Der Ganzheitlichkeit. Hingegen das Nützlichkeitsprinzip fördert hauptsächlich Leistung, festgelegt durch den zentral vorgegebenen Lehrplan und die subjektiven Anforderungen der Lehrperson. In mathematischem Sinne entspricht dieser der investierten Arbeit in einer bestimmten Zeit. Jener Zeit, die durch die Stunden am Vormittag und der Pflichtschulzeit begrenzt ist. Die erbrachte Leistung wird logischerweise eingeengt, festgelegt durch die zur Verfügung stehende Zeit und den Druck der erwarteten Leistung pro Zeit. Nur die „Besten“ kommen durch, die „Schwachen“ bleiben hinten oder fallen heraus.

Aus Leistung wird die Gesamtheit des Lernens

Was wäre, wenn wir diese Gleichung, an der sich das Nützlichkeitsprinzip der Schulen orientiert, etwas verändern, um sie an unsere Lernorte der Gemeinschaft, die sich nach dem Ganzheitlichkeitsprinzip orientieren, anzupassen?

Leistung wäre dann immer noch die verrichtete Arbeit pro Zeiteinheit. Doch weder soll Zeit bei uns begrenzt sein noch Leistung in unserem Fokus stehen. Dazu müssen wir zuerst Leistung durch die Gesamtheit (Ganzheitlichkeit) des Lernens ersetzen. Anschließend kehren wir die Gleichung um, damit Zeit nicht mehr hemmend wirkt:

Aus [Leistung =Arbeit / Zeit] wird [Arbeit = Gesamtheit des Lernens * Zeit]

Der immense Vorteil

Die entstehende Arbeit (Energie) wird durch das Einbeziehen aller Lernfelder, Lernerfahrungen, Lernimpulse (Gesamtheit des Lernens) bereichert und durch das Zeitnehmen, das Zeitlassen noch weiter gesteigert. Wäre Zeit nicht der hemmende Faktor und Leistung mehr als nur „Lernen nach Vorgabe“, dann hätten wir auf einmal ein Schulsystem, das viel effizienter, viel wertschätzender, viel umfangreicher arbeiten würde.

Nehmen wir die Kraft physikalischer Gesetze und passen sie an die Bedürfnisse der heutigen Gesellschaft an. Nützen wir sie um zu heilen, und um das Schulsystem grundauf zu verändern. Steht auf, wenn ihr schon losgestartet seid und lasst es uns wissen!

Burnout-Kids: Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert

Burnout-Kids

Kürzlich ist ein Buch mit dem Titel „Burnout-Kids“ erschienen. Ich habe dieses gelesen und sehr interessante Erkenntnisse gewonnen, die zum Nachdenken, über unsere Gesellschaft und deren Anforderungen an unsere Kinder, anregen. „Kinder von heute sind wunderbar. Sie sind aufgeschlossen, zugewandt, sozial kompetent, reflektiert – eine Liste, die sich noch lange weiterführen ließe.“ Aber: „Die Lebenswelten unserer Kinder sind geprägt von einer alle Bereiche durchdringenden Ökonomisierung des Lebens. Alles wird erfasst, gemessen und in Zahlen umgesetzt. Controlling ist das Zauberwort unserer Zeit, nichts entsteht ohne Gegenwert, ohne Gegenleistung. Dieses Prinzip Leistung entfaltet seine Wirkung in allen Lebensbereichen.“ Vor allem in unseren Schulen ist dieses Prinzip stark ausgeprägt. Alles muss in Bezug auf Leistung gemessen, aufgezeichnet und in Noten ausgedrückt werden. Um jedoch die anfangs erwähnten Eigenschaften der Kinder nicht zu verlieren, braucht es ein Umdenken vom Prinzip der Leistung hin zu einer Potentialentfaltenden Lernkultur. Jede und jeder von uns ist hiermit aufgefordert über diese Tatsache nachzudenken. Im Interesse unserer Kinder und der zukünftigen Gesellschaft.