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Gerald Hüther – Bedeutung der Hirnforschung für Lernorte

Gehirn

Am 17. März 2016 war Prof. Dr. Gerald Hüther, Hirnforscher und Neurobiologie, zu Gast in Schwaz (Tirol) und hat dort einen Vortag über Lernen und die Entwicklung in Bezug auf die Hirnforschung gehalten. Auch wir von den Lernkulturen 3.0 waren dort und haben viele neue Erkenntnisse gewonnen, die wir gerne mit euch teilen möchten:

Wandel der verschiedenen Vorstellungen in der Hirnforschung

Bis zum Ende der 1980er hatte man in der Hirnforschung gedacht, dass das Gehirn sich bis zu einem bestimmten Punkt entwickelt und dann fertig ist. Danach könne sich nichts mehr verändert. (Die These ist falsch, denn das Gehirn ändert sich das ganze Leben. Es können immer wieder neue Vernetzungen entstehen, sei es für Musik, Sprache, Sport, usw…)

Um die Jahrtausendwende ist man in der Hirnforschung davon ausgegangen und hatte die Vorstellung, dass sich das Gehirn trainieren lassen solle. (Diese These ist ebenso falsch, denn das Gehirn ist kein Muskel, der durch Training und Übung besser wird)

In der heutigen Zeit kann die Hirnforschung beweisen und durch Untersuchungen nachweisen, worauf es beim Lernen wirklich ankommt. Es geht dabei um positive Erfahrungen, positive Gefühle und um Bedeutung.  Man braucht zum Lernen Freude und Begeisterung. Diese Elemente sind der Dünger für das Gehirn.

Man kann einem Kind nicht etwas lernen, was es überhaupt nicht braucht

Wenn diese Düngergießkanne im Gehirn nicht angeht, dann nützt auch das ganze Üben nichts. Aus diesem Grund  bleiben von 12 Jahren Schule nur 2% vom Wissen, welches dort vermittelt wurde, über.

Der Lernstoff muss also emotional aufgeladen sein, er muss für das Kind bedeutsam sein. Und dies passiert nur durch eigenes Spielen, Entdecken und Forschen und eben nicht durch unterrichten.

Wir verfügen über eine angeborene Lernfreude und Entdeckerlust. Bei Kleinkindern geht ca. 50 bis 100 mal pro Tag diese Düngergießkanne an. Die sind andauern von etwas begeistert. Darum lernen kleine Kinder in den ersten Lebensjahren so viel.

Beziehungskultur in den Lernorten schafft lernlust

LehrerInnen, SchülerInnen, Eltern und die Schulleitung sollen sich zu einer Gemeinschaft zusammenschließen und gemeinsam überlegen, wohin man will. Kinder haben ein angeborenes Bedürfnis nach Bindung, nach dem Dazugehören. Durch eine gute Bindung entsteht Freude am Lernen.

Kinder nicht als Objekte behandeln

Im 18./19. und 20. Jahrhundert wurden Kinder immer als Objekte betrachtet. In den Schulen wurden durch das Prinzip der Abrichtung, mit Belohnung und Bestrafung, Leute geschaffen, die funktionieren sollten, die gehorsam waren, die Pflichten erfüllten und für den Staat als nützlich galten. Die Schule lieferte Nachschub für Hierarchische Strukturen, Soldaten und Menschen für Fabriken. Durch diese Abrichtung haben wir Einzelkämpfer geschaffen, die wir heute nicht mehr brauchen. Die Lösung eines Kindes, wenn es als Objekt behandelt wird ist, dass es andere auch als Objekte behandelt, sein Selbstwertgefühl sinkt und es sich Ersatzbefriedigungen (Suchtverhalten, wie Internetsucht, Handysucht, oder eine andere Form von Sucht) sucht. Das Kind wird „schwierig“.

„Schule schafft Konsumenten“

Problem dabei: Das Kind wird nicht so gesehen, wie es ist, sondern, wie es sein soll. Solange Menschen einander als Objekte behandeln, ist Potentialentfaltung nicht möglich.

Kinder brauchen Subjekt-Subjekt-Beziehungen

Kinder wollen so gesehen und akzeptiert werden, wie sie in Wirklichkeit sind. In der heutigen Zeit ist Kreativität eine wichtige Eigenschaft, die gebraucht wird. Eine Kreativität, wo man gemeinsam mit anderen versucht ein Problem zu lösen. Dies geht aber nur mit Menschen, die verschieden sind. Innovatives und Neues wird nur in einer Gemeinschaft geschaffen, in der verschiedene Menschen mitwirken. Darum soll an Lernorten die Vielfalt blühen. Begegnen wir also jedem Kind in Augenhöhe und nehmen es als einzigartige Persönlichkeit wahr, dann wird in einem Lernort eine Kultur der Potentialentfaltung geschaffen.

„Wenn du die Welt verändern willst, musst du aufhören Kinder wie Objekte zu behandeln.“

Wie die Umgebung, so die Entwicklung des Gehirns

Das Gehirn des Kindes entwickelt sich so, wie es für die Umgebung angemessen ist. Darum ist es die Aufgabe der Erwachsenen (Eltern, Lernbegleiter, usw…) eine Umgebung zu schaffen, in der sich das Kind und das Gehirn entsprechend entwickeln kann. Durch diese Umgebung, werden auch die Denkvorstellungen und Handlungsweisen der Kinder geprägt. Wir haben keine angeborenen Verhaltensmuster. Diese werden erst durch die Umgebung geprägt. Zur Umgebung gehören sowohl ein Vorbereiteter Innen- und Außenbereich als auch Menschen, die den Kinder auf Augenhöhe begegnen und mit ihnen zusammen eine Gemeinschaft bilden.

Besuch Gerald Hüthers in Tirol

       

Liebe Gemeinschaft,

eine erfreuliche Nachricht hat uns erreicht. Gerald Hüther, bekannter Neurobiologe und Autor vieler Bücher, tritt mit seiner Rede „Bildung braucht Herz, Hirn, Hand und Humor“ in Landeck am 16.03. sowie in Schwaz am 17.03 auf. Genauere Informationen findet ihr in der Lernwelt-Einladung für Landeck und Schwaz.

Wir befürworten seine Vorstellungen in vielerlei Hinsicht und können in seinen Worten sehr viel für eine Lernkultur der Potentialentfaltung entdecken. In ihm wirkt die Begeisterung für viele Menschen, die schon lange darauf warten, dass jemand wie er mit verständlichen, kraftvollen Worten für eine Entwicklung verschulten Lernens hin zu einem freien, lustvollen Lernen eintritt. Ihn einmal erlebt zu haben, verstärkt den Wunsch für einen frischen, positiven Umgang mit dem Lernen mit Kindern.

Anmeldungen werden schnell passieren, also meldet euch so rasch wie möglich an.