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[SERIE „Rudolf Dreikurs“: Teil 3] Die Sehnsucht, sich zugehörig zu fühlen

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Das Kind ist ein soziales Wesen und sein stärkster Beweggrund ist die Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Seine Sicherheit oder Unsicherheit hängen ganz davon ab, ob es sich einer Gruppe (oder einer Gemeinschaft) zugehörig fühlt. Dies ist sein Grundbedürfnis. Sein ganzes Tun ist darauf ausgerichtet, einen Platz zu finden. Von der frühesten Kindheit an ist es damit beschäftigt, Mittel und Wege zu erkunden, um ein Teil seiner Familie (bzw. Gemeinschaft) zu sein.

Aus seinen Beobachtungen und Erfolgen zieht es Schlussfolgerungen, die zwar nicht in Worten formuliert werden aber trotzdem fest begründet sind: „Aha! So kann ich also dazugehören. So habe ich eine Bedeutung!“ Das Kind wählt die Methode, durch welche es sein Grundziel, nämlich dazuzugehören, zu erreichen hofft. Diese Methode wird zum unmittelbaren Ziel, zum Nahziel und bildet die Grundlage für sein Benehmen. Wir können deshalb sagen, dass sein Benehmen zielgerichtet ist.

Ein Kind ist sich der Beweggründe seines Verhaltens nie bewusst. Würde ein Kind gefragt, weshalb es mit dem Fuß klopfe, wäre seine ehrliche Antwort: „Ich weiß es nicht“ Um das Problem zu lösen, auf welche Weise es seinen Platz finden könne, ertastet es sich seinen Weg. Das Kind überlegt nicht bewusst, sondern handelt aus einem Impuls heraus. Es lernt durch „Versuch und Irrtum“, also durch ausprobieren. Sobald ihm irgendein Verhalten das Gefühl der Zugehörigkeit verleiht, wird es diese Verhaltensweise wiederholen.

Umgekehrt wird es sein Benehmen, das ihm das Gefühl des Alleinseins einbringt, aufgeben. Und damit haben wir die Grundlage für das Leiten und Führen von Kindern. Solange wir nicht verstehen, dass ein Kind um jeden Preis dazugehören möchte und sein Verhalten danach ausrichtet, werden wir kaum bewirken können, dass es an diesem etwas ändert. Bevor wir auf die von Kindern benützten Verhaltensweisen eingehen, die zum Ziel haben, ihnen das für die wichtigste Gefühl des Dazugehörens zu vermitteln, müssen wir etwas vom Kind in seiner Ganzheit verstehen, seine Beobachtungen, seine Umgebung und seine Stellung innerhalb der Familie (bzw. der Gemeinschaft).

(Teil 3 aus dem Buch “Kinder fordern uns heraus – Wie erziehen wir sie zeitgemäß?” von Rudolf Dreikurs)