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Faszination Lernen

Baby und Familie

Kinder. Sie spielen, tollen herum, kuscheln mit ihren „Artgenossen“. Und erfüllen damit eine wichtige Aufgabe. Sie lernen. Auch wenn es nach außen nicht so aussieht. Der Drang zu lernen ist quasi angeboren. Babys kommen nicht als unbeschriebene Blätter auf die Welt. Die Forschung der letzten Jahrzehnte zeigt: Lernen beginnt schon lange vor der Geburt. „Neugeborene verfügen bereits über ein bestimmtes Wissen, das sie genetisch mitbekommen haben. Lernen ist also weit mehr als ein willentlicher, kognitiver Prozess. Es hat mit ganzheitlichen Erfahrungen zu tun und mit dem sozialen Umfeld, in dem sich ein Kind bewegt. Das Gehirn der Kleinen formt ohne Unterlass eine riesige Anzahl an synaptischen Verbindungen. Nicht genutzte Verbindungen gehen verloren. Wir wissen heute: Kinder lernen völlig anders als Erwachsene. Sie erwerben Fähigkeiten nicht zielgerichtet und absichtsvoll. Sie brauchen das Spiel und soziale Interaktionen. Zudem benötigen sie feste Bindungen und die Sicherheit, sich ungestört entwickeln zu können.

Lernen findet in Alltagssituationen statt. Diese müssen ganzheitlich erfahrbar sein. Das Schöne am Lernen: Es hört nie auf – auch nicht im Alter. Es braucht keine Lernmaterialien, wie zum Beispiel Förder-DVDs für Babys, Englischkurse für Kindergartenkinder oder andere Intelligenztrainings. Entscheidend ist, was Kinder im Alltag erleben, wie Eltern und ihre Mitmenschen mit ihnen umgehen und sich mit ihnen in der Umwelt bewegen. Es braucht zudem den Bezug zur Lebenswirklichkeit des Kindes. Sobald ein Kind erkennt, was es mit einem Thema anfangen kann, erfasst es auch die Notwendigkeit, sich damit auseinanderzusetzen. Die Kleinen wollen nämlich von Anfang an mit allen Sinnen die Welt entdecken und gehen neugierig auf Unbekanntes zu. Und natürlich brauchen Kinder vielfältige Erfahrungen in der Natur sowie Soziale Aktivitäten mit Freunden und Mitmenschen. Durch Fühlen und Spüren wird die Welt ganzheitlich erfahren, was schlussendlich auch das Gehirn freut.

Lernen ist heute ganz anders und wird es auch in Zukunft sein. Früher hat man Kinder dazu gezwungen, sich möglichst viel ins Gehirn zu prügeln, um es dann auf Knopfdruck zu reproduzieren. Das wird als „bulimisches Lernen“ bezeichnet: reinfressen, rauskotzen, aber nicht zunehmen. Wir wissen mittlerweile: Kinder verstehen und behalten Inhalte am besten, wenn sie selbsttätig und ganzheitlich ein Themengebiet erarbeiten. Das funktioniert, indem sie in Gruppen (möglichst altersgemischt) lernen. Denn in  sozialen Situationen lernen die Kinder am meisten.

Auszug aus der Zeitschrift „Baby und Familie“ (Ausgabe August 2015)