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Welchen Einfluss hat die Atmosphäre auf Kinder?

Dieser Versuch zeigt, welchen Einfluss die Atmosphäre auf Kinder hat.
  1. Demokratischer / Kooperativer Führungsstil (Lernkulturen 3.0)
  2. Autoritärer Führungsstil (Gehorsame Pflichterfüller)
  3. Laissez-Faire-Führungsstil (Ohne Gesellschaftsvertrag)
Gruppe 1 wird nach den Bedingungen von Lernkulturen 3.0 erzogen. (Eigenständige, kreative Persönlichkeiten)
Gruppe 2 wird nach den Bedingungen, die in unseren Schulen herrschen erzogen. (gehorsame Pflichterfüller)
Gruppe 3 wird ohne Gesellschaftsvertrag erzogen. (Chaos)
An alle, die mit Kindern zu tun haben: Entscheidet euch gut in welcher Atmosphäre eure Kinder aufwachsen sollen. Welche Haltung die LehrerInnen / ErzieherInnen / KindergärtnerInnen und Eltern gegenüber den Kindern einnehmen sollen.
 Teil 1:

Teil 2:

[SERIE „Rudolf Dreikurs“: Teil 1] Wandlung unseres sozialen Klimas

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Das Buchcover

Jede Kultur entwickelte eine bestimmte Art der Erziehung von Kindern und hatte ihre eigenen Methoden, den Lebensproblemen und Situationen zu begegnen. Jeder Mann, jede Frau sowie jedes Kind wussten genau, was von ihnen erwartet wurde: Verhalten wurde durch Tradition festgelegt. In diesen traditionellen Erziehungsmethoden gab es früher Grundsätze, wie z.B. „Kinder soll man sehen, aber nicht hören“, die in jeder Familie beachtet wurden. Jeder wusste genau, wie sich Kinder benehmen sollten.

Unser zunehmendes Demokratieverständis mit seinen Auswirkungen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen hat nun einen grundlegenden Wandel in unserer Kultur bewirkt. Seit den Zeiten der Könige und Leibeigenen, über Etappen wie die Magna Charta der Engländer, die französische und die amerikanische Revolution bis hin zur Gegenwart gelangte die Menschheit allmählich zu der Erkenntnis von Gleichwertigkeit aller Menschen. Als Folge dieser Entwicklung wurde Demokratie nicht nur ein politisches Ideal, sondern auch eine Lebensweise. Ungeheuer rasch finden Veränderungen statt, über deren Natur sich nur wenige klar werden. Es ist hauptsächlich der Einfluss der Demokratie, die unsere soziale Atmosphäre verändert und die traditionellen Erziehungsmethoden unwirksam gemacht hat. In einer Gesellschaft Gleichwertiger kann keiner über den anderen bestimmen. Soziale Gleichwertigkeit bedeutet, dass jeder für sich selbst entscheidet.

In einer autokratischen Gesellschaft war der Herrscher grundsätzlich etwas Höheres und hatte Macht über die ihm Untergebenen. Ungeachtet seiner Stellung in der Welt herrschte der Vater jeder Familie über die Familienangehörigen, einschließlich seiner Frau. Heute ist dies nicht mehr so. Frauen verlangen Gleichberechtigung, und wie der Mann seine Macht über seine Frau verlor, so verloren beide als Eltern (genauso wie die Lehrer) ihre Macht über ihre Kinder. Dies war der Beginn einer allgemeinen sozialen Umschichtung, die zwar weitgehend empfunden, aber noch verhältnismäßig wenig verstanden wird.

Ähnliche Wandlungen können wir auch auf anderen Gebieten unseres sozialen Lebens (beispielsweise in Schulen) feststellen. Erwachsene fühlen sich durch die Ansicht, Kinder seien sozial gleichwertig, oft irritiert und verneinen ärgerlich eine solche Möglichkeit. Kinder sind für das soziale Klima besonders empfänglich. Rasch, wenn auch meist unbewusst, machen sie sich die Vorstellung gleicher Rechte für jedermann zu eigen. Sie spüren, dass sie den Erwachsenden gleichwertig sind, und können ein autokratisches Verhältnis des Herrschens und Sich-Unterwerfens nicht mehr ertragen. Auch Eltern spüren, wenn auch nur vage, dass ihre Kinder gleichwertig sind, und haben eine Kindererziehung schon lange aufgegeben, die den Wahlspruch „Du hast zu tun, was ich sage!“ auf ihre Fahne geschrieben hatte.

Dieser gesellschaftliche Wandel in unserer sozialen Atmosphäre ist die Grundlage für eine demokratische Erziehung unsere Kinder.

(Teil 1 aus dem Buch „Kinder fordern uns heraus – Wie erziehen wir sie zeitgemäß?“ von Rudolf Dreikurs)

Frederick Mayer: Eine neue Bildung für eine neue Gesellschaft

Eine neue Bildung - Frederick Mayer

Wie kann eine neue Auffassung von Erziehung zu einer echten Reform der Gesellschaft – vielleicht auch zu einer Rückbesinnung auf eine natürlichen Erziehung von Menschen – führen?

Der Begriff der „dynamischen Erziehung“ ist für Frederick Mayer der Schlüssel zu einem neuen Verständnis und verbesserten Umgang mit der Erziehung von Menschen. Bereits im ersten Absatz liest der Leser, dass Mayer der Überzeugung ist, „[…] dass der Begriff ‚Erziehung‘ bisher zu eng gefasst wurde. Die meisten Theoretiker konzentrierten sich auf Schulerfahrungen. […] Dynamische Erziehung erstreckt sich von alten Entwicklungen bis in unser Jahrhundert, vom Kindergarten bis zur Reifeprüfung, von philosophischen Zielen zu Problemen des elterlichen Einflusses.“

Lernkulturen 3.0 achten die natürliche Entwicklung. Das erfordert, wie Mayer auch schreibt, sowohl eine „Entbürokratisierung“ der Erziehung, die nur Routine und Anpassung liebt, als auch ein Zurückdrängen großer Institutionen, die im seinen Sinne in der Geschichte der Erziehung und Kultur überlicherweise Versager waren.

Der Grund: Authentische Erziehung erfordert persönliche Anregung. Sie erfordert eine ICH-DU-Begegnung.

Wenn es um den Bedeutungsunterschied von ERziehung und BEziehung geht, dann erkenne ich bei Mayer, dass seine Beschreibung der Erziehung sehr wohl eine gegenseitigen Anerkennung voraussetzt. Es ist nicht die herkömmliche Form der Erziehung gemeint, die am Misserfolg orientiert ist, keine dauernden Interessen schafft, statusorientiert ist, irreführend ist, kritisches Denken untersagt oder in einen nie endenden alten Trott mit schwerwiegenden seelischen Konsequenzen für alle Beteiligten führt.

Nein!

Eine erziehende Beziehung ist gemeint. Sie beinhaltet die ebenso notwendige Verantwortung der Erwachsenen gegenüber den Kindern, die Verantwortung der älteren Gegeneration gegenüber der jüngeren, die Verantwortung des Erfahrenen gegenüber dem Unerfahrenen. Unsere Liste der „Bedingungen für eine natürliche Entwicklung“ hat einige Punkte, welche diese Verantwortung ansprechen.

Eine neue Bildung für eine neue Gesellschaft. Ein provozierendes Buch, das die Gegenwart entwirrt und den Blick auf eine konstruktive Zukunft ermöglicht.