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Mit- und voneinander Lernen

Beziehung statt Erziehung

Beziehungskultur bedeutet auch, dass man mit- und voneinander lernt. In unserer Kultur wird aber meistens das Lernen nur einseitig gesehen. — Der Lehrer bringt dem Schüler etwas bei. — Aber viel zu wenig passiert, dass ein Kind uns Erwachsenen etwas zeigt, und wir davon lernen können. Dabei sind Kinder dermaßen kreativ und einfallsreich, sodass wir Erwachsenen nur stauen können. Jedoch lassen wir dies in unseren Schulen viel zu wenig zu. Ein Lernort ist dafür da, dass jeder von jedem lernen kann.

Denkt über folgendes Zitat nach:

„Ein Kind kann einem Erwachsenen immer drei Dinge lehren: grundlos fröhlich zu sein, immer mit irgend etwas beschäftigt zu sein und nachdrücklich das zu fordern, was es will.“

Beziehung statt Erziehung

Schon seit 4 Tagen findet die Vorbereitungswoche zum Kongress „Beziehung statt Erziehung“ statt. Der Kongress selbst geht vom 15. bis 23.5.2016. Ihr habt immer noch die Möglichkeit, euch anzumelden und einzusteigen.

Viele SprecherInnen werden euch von Beziehung erzählen, die den Umgang mit Kindern und Erwachsenen neu definiert und eine Kultur der Beziehung schafft, die über die herkömmlichen Erziehungsmethoden hinausgeht. Es wird euch und eure Mitmenschen bereichern, wenn ihr den Wunsch nach neuen Perspektiven habt.

Seht selbst und lasst euch von Katharina Walter (3-fache Mutter, Lehrerin, Autorin, Bloggerin, YouTuberin, kreativer Kopf des kleinen Labels KATAMAR) in die Welt der Beziehung einführen.

Beziehung statt Erziehung

 

Lernen findet nur in einer Beziehungskultur statt

Bindung

Lernen – was hat das mit Beziehung zu tun, werdet ihr euch vielleicht fragen. Das ist leicht erklärt: ohne gesunde Beziehungen und ein Umfeld, in dem sich ein Kind wohl fühlt, kann kein nachhaltiges, wahrhaftiges Lernen stattfinden.

Lernen unter Druck, Angst und nach Schema F hat nichts mit Bildung zu tun und übergeht mein Ich. Die Beziehung, die ich zu mir selbst eingehe und wie ich mich selbst wahrnehme und sehe, wird durch Lernen, wie wir es aus dem System kennen, häufig unterdrückt, vernichtet und übergangen. Dabei wäre es so einfach…

Wenn wir die Interessen, das Wesen und das Potential unserer Kinder wahrnehmen, sehen und anerkennen könnten, ihnen Raum zum Entdecken und Ausprobieren, zum Erfahrungen sammeln und „Fehler machen“ geben würden, würde das nicht nur unsere Beziehung zueinander sondern auch die Beziehung des Kindes zu sich selbst stärken.

Kein: „Ich kann das nicht“ unter Tränen mehr, kein „Ich bin ein Versager“, wenn etwas nicht geklappt hat, nein, dann würden selbstbewusste und gestärkte Persönlichkeiten aus natürlichen Lernprozessen hervor gehen, die wir nicht erzwingen, unter Druck künstlich herstellen und bewerten müssten, sondern die einfach geschehen dürften… Wäre das nicht wunderbar?

Schaut euch dafür folgendes Video an und ihr werdet sehen, wie Lernen gelingen kann. Klickt bitte hier.

Kindern begegnen – Kinder wahrnehmen — Aber Wie mache ich das am besten?

Bindung

Was verstehen wir unter Entwicklung?

Bei der Entwicklung von den Kindern kommt es immer auf die Vorstellung der Erwachsenen an. Wie sehen die Erwachsenen die Kinder? Da haben sich im Laufe der Zeit zwei Sichtweisen besondern hervorgehoben:

  • Das Kind wird als Produkt angesehen, das bearbeitet werden muss, das mit Wissen gefüllt werden muss, das in eine Norm gebracht werden muss. Erwachsene, die solch eine Vorstellung eines Kindes haben, für die ist eine SCHULE der best geeignete Ort dafür.
  • Das Kind wird wie ein Samenkorn einer Pflanze angesehen, das bereits ab der Geburt alle Eigenschaften, Fähigkeiten und Potentiale in sich trägt und diese unter den richtigen Bedingungen entfaltet. Erwachsene, die solch eine Vorstellung eines Kindes haben, für die ist ein LERNORT der best geeignete Ort dafür.

Die Bedürfnisse eines Kindes verstehen

Dabei gibt es im Allgemeinen drei Bedürfnisse, die jedes Kind erfüllt haben möchte:

  • Jedes Kind will als ein einmaliges Wesen wahrgenommen werden
  • Jedes Kind will seinem Entwicklungstand entsprechende Lebenserfahrungen machen.
  • Jedes Kind will sich geborgen und angenommen fühlen und dazu gehören.

Ein großes Thema dabei spielt, wie wir Erwachsenen das Kind wahrnehmen und welche Toleranz wird dabei haben. Denn bei der Entwicklung von Kindern gibt es sehr große Unterschiede.  Dafür möchte ich hier zwei Beispiele anführen.

Jedes Kind entwickelt sich individuell

Beim Erlernen des Gehens schwankt die Zeit (Lebensalter des Kindes) zwischen 10 und 20 Monaten. Manche Kinder erlernen bereits früher den aufrechten Gang und andere Kinder erst später. Beides wird jedoch biologisch als Normal bezeichnet. Dasselbe ist beim Erlernen des Lesens. Dort schwankt die Zeit zwischen 4 und 10 Jahren. Es gibt Kinder, die bereits mit 4 Jahren schon lesen können und auch welche, die es erst mit 10 Jahren beherrschen. Beides wird jedoch biologisch als Normal bezeichnet. Ob ein Kind als „Normal“ angesehen wird, hängt ganz allein von der Toleranz der Erwachsenen ab. Biologisch gesehen entwickelt sich jedes Kind nach dem inneren Entwicklungsplan und deswegen entwickelt sich auch jedes Kind ganz normal. Einige entwickeln Fähigkeiten, wie Sprache, Gehen, Lesen, usw.. etwas früher, einige erlernen dieselben Fähigkeiten ein wenig später.

In der Schule Rücksicht auf die Entwicklung der Kinder nehmen

Vor allem in Schulen werden diese unterschiedlichen Entwicklungen sichtbar. Jedes Kind ist aber nicht in allen Fächern gut. Einige Bereiche verlaufen besser und wiederum einige verlaufen weniger gut. Deshalb ist zu überlegen, wo bei jedem Kind die Stärken liegen. Bei einer kindgerechten Schule spielen die Rahmenbedingungen eine wesentliche Rolle. In der Pubertät nehmen die Schwankungen deutlich zu. Sei es körperlich, sozial, emotional oder geistig. Nimmt man die Kinder einer Klasse (m/w) mit einem Alter von 13 Jahren hat man eine Schwankung in der Entwicklung der Kinder von 9 bis 16 Jahren. Um jedem Kind da gerecht zu werden, muss eine Umgebung schaffen werden, die diese Schwankung von 7 Jahren ausgleicht und somit jedem Kind die Möglichkeit gibt, sich nach seinem inneren Entwicklungsplan zu entfalten. Dies kann nur in einer Vorbereiteten Umgebung und dem respektvollen Umgang mit den Kindern passieren.

„Darum jedes Kind so nehmen, wie es ist.“

Folgende Prinzipien sind dafür zu Beachten:

  • Kinder lernen selber.
  • Der Erwachsene hat die Aufgabe, die Bedingungen zu schaffen, unter denen sich ein Kind nach seinem inneren Entwicklungsplan entfalten kann. (Umgebung vorbereiten, respektvollen Umgang mit den Kindern pflegen, das Kind vor Gefahren schützen, Aufgaben anbieten, die für das Kind einen Sinn ergeben und worin es eine Bedeutung sieht, usw…)
  • Ein Kind macht nur das, was es kann.
  • Das Kind dort abholen, wo es steht und es soll das lernen, was zu ihm passt.
  • Eingreifen in die Lernprozesse der Kinder durch Erwachsenen hat weitreichende Folgen.
  • Die Anforderungen der Erwachsenen müssen mit dem Entwicklungsstand des Kindes übereinstimmen.
  • Eingreifen des Erwachsenen stört den inneren Entwicklungsplan des Kindes und führt zu ungewöhnlichen Reaktionen des Kindes (Ungehorsam, Unfreundlichkeit, Mobbing, Gewalt, Verweigerung, Unordnung, verlorene Lernlust, usw….)

Bekommt ein Kind Aufgaben, die zu ihm passen, dann macht es auch ganz normal mit.

Sozialisierung entsteht durch das Vorbild

Wir Erwachsenen müssen uns von der Vorstellung verabschieden, man müsste dem Kind sagen, was es zu tun habe. Denn Sozialisiert wird das Kind nur über das Vorbild. Es schaut, was die Erwachsenen und die anderen Kinder machen und orientiert sich an dem, was es erlebt. Es kommt also sehr darauf an, was dem Kind zu Hause und in der Schule vorgelebt wird. Dieser Prozess zieht sich durch die gesamte Entwicklung des Kindes hindurch. Somit lernt das Kind auch seine Schwächen zu akzeptieren und lernt damit umzugehen.

Bindungsforschung ist wichtig für die Entwicklung der Kinder

Ein weiterer Punkt für die Entwicklung von Kindern ist die Bindungsforschung.

Bindung an eine vertraute Person und das Bedürfnis nach Nähe, Schutz und Zuwendung sind dem Kind angeboren. Es will schlicht und einfach dazu gehören. Als Säugling sind die Kinder stets mit ihren Eltern verbunden. Im Laufe der Zeit kommen immer wieder neue Bezugpersonen hinzu, mit denen das Kind eine Bindung aufbauen möchte.

In der Schule wird dabei aber das Bedürfnis nach Bindung nicht wahrgenommen. In Schulen wird keine Beziehungskultur gelebt. Dadurch wird das Kind auch schwierig, weil es nicht wahrgenommen wird und keine Bindung zu seinen Bezugspersonen aufbauen kann. Denn Grundlage für ein gutes Verhalten ist eine gute Bindung.

Dies ist auch der Grund, warum es in Schule so viele Probleme mit dem Verhalten der Kinder gibt. Ein Kind, das eine gute Bindung zu seinen Bezugspersonen hat, entwickelt auch ein normales Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen.

Es kommt dabei auch darauf an, ob diese Bezugperson die Bedürfnisse der Kinder erfüllen kann. Aus diesem Grund orientieren sich die Kinder in der Pubertät mehr an ihre Peer-Group als an ihre Eltern oder Lehrer, weil die Peer-Group die Bedürfnisse der Kinder in dieser Zeit besser erfüllen. Die Aufgabe der LehrerInnen und Eltern besteht in dieser Zeit einen sicheren Nothafen für die Kinder zu bieten.

Jedes Kind soll einen Zugang zu einer Bezugsperson haben. Für das Kind macht es keinen Unterschied, wer diese Bezugsperson ist.

Eine Bezugsperson soll für das Kind folgende Kriterien erfüllen

  • Verfügbarkeit
  • Verlässlichkeit
  • Angemessene Reaktionen dem Kind gegenüber
  • Vertrautheit
  • Beständigkeit
  • Voraussagbarkeit

Um die Entwicklung und das Lernen von Kindern zu verstehen, dafür haben wir von den Lernkulturen 3.0 zwei Videos ausgewählt:

Remo Largo – Kinder wahrnehmen
Remo Largo – Lernen geht anders