Schlagwort-Archive: Bedingungen

Grundgesetze des menschlichen Lernens

lernen

Der erste Schritt eines Kindes ist ein Urbild für alle Lern- und Entwicklungsschritte, die folgen werden. Wer hinschaut und sich bewusst macht, was hier geschieht, dem kann dieses Ereignis zu einem Erlebnis werden, das ihn verändert.

Schwieriger als ein Flug zum Mond

Im Aufrichten überwindet das Kind die Schwerkraft, der es seit der Geburt ausgesetzt ist. Nun werden die ersten selbstständigen Schritte möglich. – Kann es ein größeres Glücksempfinden geben, als solche Freiheit zu erfahren? Wer das geschafft hat, dem braucht vor künftigen Aufgaben nicht mehr zu bangen. Technisch gesehen ist es einfacher, ein Raumschiff zum Mond zu schicken, als den ungeahnt komplexen Prozess menschlichen Gehens nachzubilden. Bis heute gibt es dafür keine überzeugende Lösung.

Nicht weniger atemberaubend ist es, wenn das Kind eines Tages zu sprechen beginnt. Wie macht es das eigentlich? Haben Sie Ihrem Kind Unterricht gegeben, zum Beispiel in Grammatik? Und wann haben Sie ihm erklärt, was das Wörtchen »gut« bedeutet? War das bei einem Brei, der »gut« schmeckt? Aber wie haben Sie ihm dann erklärt, was Sie mit »gut« meinen, wenn Sie sagen: »Du bist ein gutes Kind«, »Gute Nacht« … – Kinder können verstehen, ohne dass wir erklären! Bald öffnen sich auch die ersten Fenster zum Denken. Hier bekommen wir es mit ähnlich rätselhaften Prozessen zu tun. Wie sind Sie dabei methodisch vorgegangen? Erst die Theorie (»Wie lerne ich denken?«) – und dann die Praxis? Oder müssen wir nicht auch hier darauf vertrauen, dass letztlich ein inneres Erwachen geschieht, auf das wir von außen keinerlei Zugriff haben?

Gehen – Sprechen – Denken, diese drei Stufen kindlichen Lernens, sind so komplex, dass man auch äußerlich betrachtet zugeben muss: Niemals mehr wird so viel gelernt, wie in diesen ersten drei Jahren. Einige Forscher sagen sogar, in den ersten 365 Tagen lerne ein Mensch mehr, als im gesamten Rest seines Lebens.

Grundgesetze menschlichen Lernens

Wenn ein Kind schulreif wird, hat es also den größten Teil des Lernens bereits hinter sich! Es hat längst bewiesen, dass es weit mehr kann, als das bisschen Schule oder die Abi-Prüfung zu bestehen – vorausgesetzt, die Bedingungen zum Lernen sind weiterhin so günstig, wie in den ersten drei Jahren.

Wie sind diese Bedingungen?

1. Der Wille zum Lernen liegt im Kind selbst.

Jeder Eingriff von außen könnte den Lernprozess im Innern des Kindes zunächst nur stören. In bester Absicht meint der Lehrer, das Kind zum Lernen motivieren zu müssen. Der ehrgeizige Vater glaubt, es durch Druck und Belohnung fordern, anschließend durch einen Test prüfen zu müssen. – All dies wird den Impuls zum Lernen nur kränken, weil das Kind nun nicht mehr darf, sondern muss. Und was wir müssen, können wir nicht mehr wollen.

2. Jedes Kind ist auf Erwiderung seiner Liebe angewiesen.

Kinder lieben zunächst bedingungslos. Aber nur wo ihnen ein Mensch wirklich liebevoll begegnet, können sie sich entfalten und lernen. Liebevolle Zuwendung ist wie das Licht, das die Pflanze ins Dasein ruft. Auch aus neurobiologischer Forschung lässt sich heute nachweisen, was wir schon immer wussten: dass wir tatsächlich auf ein Du angewiesen sind, und real einander brauchen. Jeder – besonders ein Kind.

3. Ein lernendes Kind orientiert sich am Vorbild.

Lernen vollzieht sich nie automatisch. Es liegt nicht an den Genen, dass ein Kind laufen lernt. Ein Neugeborenes, unter Wölfen ausgesetzt, wird sich bewegen, fressen und heulen wie ein Wolf. Es braucht das Vorbild des aufrechten Menschen, um den aufrechten Gang zu erwerben. Auch die Sprachfähigkeit wird nicht vererbt. Wird chinesisch gesprochen, lernt das kleine Kind akzentfrei Chinesisch – genauso selbstverständlich, wie es hätte Deutsch sprechen können. Entscheidend für die Qualität des Vorbildes ist dabei weniger die äußere Erscheinung. Viel stärker nimmt das Kind die innere Haltung des Erwachsenen wahr, sein Bemühen, seine Authentizität.

Diese drei Grundgesetze menschlichen Lernens sollte beachten, wer erziehen und unterrichten will. Dazu muss niemand Pädagogik studieren. Er braucht nur ernst zu nehmen, was er beim kleinen Kind erlebt. Immer mehr Pädagogen – Eltern wie Lehrer – werden heute darauf aufmerksam. Begonnen hat diese Entwicklung vor mehr als 90 Jahren, als herausragende Persönlichkeiten den Mut aufbrachten, sich von der Tradition zu befreien, um sich radikal an der Wirklichkeit zu orientieren. Rudolf Steiner ist es gewesen, der die zentrale Bedeutung von Eigen­aktivität, Beziehung und Vorbild klar erkannte und erstmals menschenkundlich umfassend begründete.

Praktische Folge einer so gravierenden Entdeckung konnte nur eine völlige Umkehrung des pädagogischen Denkens sein: Nicht Methoden sind entscheidend, sondern die innere Haltung des Lehrers zum Kind. »Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes«, betonte Steiner 1923. Das ist die Geburtsstunde der Waldorfpädagogik, die sich auch heute täglich neu ereignen muss.

Lernen trotz Schule

Die Schule ist nicht der Ort, wo das eigentliche Lernen beginnt, sondern der geschützte Raum, in dem sich intensives Lernen altersgemäß fortsetzen kann. Und auch hier voll­zieht es sich in der gleichen Abfolge: Gehen – Sprechen – Denken. Der Weg vom Greifen (Gehen) zum Begreifen (Denken) wird möglich durch die Brücke der Begegnung (Sprechen). Hier ist der Lehrer gefragt. Er steht vor der Frage: Wie können Kinder – trotz der Schule – weiterhin optimal lernen?

Haben sie genügend Raum zum Gehen, damit sie mit selbstständigen Schritten die Welt der Bildung erkunden können?

Finden wir zu einem Sprechen (im Tonfall, in den Gebärden), das kein Machtgefälle entwickelt, sondern Begegnung ermöglicht?

Darf das Denken in seiner Schöpferkraft erwachen, oder binde ich es an die Vergangenheit, weil ich Osterhasen­pädagogik treibe (R. Kahl: der Lehrer »versteckt« Wissen und lässt dann die Schüler danach suchen)?

Kein Lernen ohne Fehler

Niemand lernt laufen, ohne hinzufallen. Es gibt kein Lernen ohne Fehler. Aber das Fallen beim Gehen-Lernen war nicht Anlass für Strafe und schlechte Zensuren, sondern allenfalls ein Grund, getröstet zu werden. Deshalb ging dabei keine Kraft verloren. Das Kind stand sofort wieder auf und versuchte es erneut. Immer wieder. Aus eigenem Antrieb.

Wie aber verändert sich das Klima des Lernens, wenn Fehler zum Verlust von Punkten führen, zum Verlust von Anerkennung und Zuwendung? – Wer diesen Zusammen­hang zu durchschauen beginnt, wird verstehen, warum Waldorfpädagogik auf solche Bewertungen verzichten möchte. Hier wird nicht Kuschelpädagogik praktiziert, sondern es geht darum, die Bedingungen optimalen Lernens zu berücksichtigen. Diese Lerngesetze können zwar missachtet werden, aber – das ist wie bei Naturgesetzen – früher oder später wird es sich rächen. (Von Friedhelm Garbe, Oktober 2011 )

Wollen wir unsere Schule ändern?

Für alle, die sich auf den Weg machen wollen eine neue Schule und eine bessere Lernkultur zu entwickeln, ist diese Gegenüberstellung geschrieben worden. Sie zeigt auf, welche Strukturen in den heutigen Schulen vorherrschen und wie diese Bedingungen so verändert werden können, damit Kinder gerne lernen und Schule zu einem Ort wird, an dem Kinder entdecken, forschen, Herausforderungen meistern, Verantwortung übernehmen, sich entwickeln und glücklich sein können. Machen wir uns auf den Weg und gestalten gemeinsam eine neue Lernkultur. Wer macht mit? Um mit uns Kontakt aufzunehmen klickt bitte hier.

Zum Lesen die Bilder einfach anklicken !!!!

Scan_Pic0004

Scan_Pic0006

Quelle: EduAction. Wir machen Schule (Margret Rasfeld & Peter Spiegel)

So gelingt das Lernen und die Entwicklung von Kindern

Kinder_

Kinder sind von Natur aus neugierig und lernen beinahe wie von selbst – vorausgesetzt sie wachsen in einer Umgebung auf, die sie dazu anregt und in der sie sich sicher fühlen. Dazu zählen vor allem Bezugspersonen, die sich für sie und ihre Lernfortschritte auch wirklich interessieren. Doch häufig fehlt Kindern eine solche sichere Bindung.

Für alle, die sich für die Entwicklung von Kindern interessieren ist die folgende Dokumentation von großer Bedeutung. Schaut euch diese beeindruckende Welt der Kinder an und denkt nach, wie es wäre, wenn wir Kindern mit 6-18 Jahren mit ebenso viel Interesse, Zuwendung, Vertrauen und Lernfreude begegnen würden. Mit welcher Begeisterung diese Kinder durch die Welt gehen würden.  Wäre das nicht schön?

Genau so gelingt das Lernen und die Entwicklung von Kindern:
Ansehen und darüber nachdenken, ob wir für unseren Kinder eine ideale Umgebung schaffen, in der sie sich entwickeln und mit Freude Lernen können.

Kinder lernen durch Entdecken, Forschen, Erlebnisse, Erfahrungen und Herausforderungen

Diese Bedingungen brauchen Kindern, damit sie sich natürlich entwickeln und zu verantwortungsbewussten Menschen heranwachsen können.

  • Vorbereitete Umgebung
  • Natürlicher Bauplan des Menschen
  • Verschiedene Entwicklungsstufen
  • Ganzheitliche Sicht
  • Kosmische Erziehung
  • Sinnesmaterial
  • Sachen erlebbar machen
  • Entdecken, Forschen, Erlebnisse, Erfahrungen, Herausforderungen
  • Kinder als Teil einer wertschätzenden Gemeinschaft
  • Mit der Natur, mit anderen Lebenwesen und mit sich selbst verantwortungsbewusst umgehen
  • Lehrer als Begleiter der Kinder
  • Handwerkliche Tätigkeiten
  • Ausprobieren
  • Soziale Kompetenz wird täglich gelebt
  • Freiheit
  • Verantwortung für den Alltag übernehmen und diesen gestalten
  • Gesellschaftliches Leben miteinbeziehen
  • Aktiv den Kontakt zur Welt suchen und Experten in die Schule einladen
  • Bewegung

Diese Punkte werden durch die Lernwerkstatt Mittelpunkt in Ludesch / Vorarlberg  in einem Film dargestellt:

Wie kann Lernen und Entwicklung gelingen?

Entwicklung_

Durch unsere zahlreichen Besuche der verschiedensten Lernorte haben wir von den Lernkulturen 3.0 viele Erfahrungen sammeln dürfen und haben hier einige Punkte zusammengefasst, wie das Lernen und die Entwicklung von Kindern gelingen kann. Macht euch also auf und setzt diese Punkten an euren Lernorten um.

  • Kinder müssen die Möglichkeit haben, konkrete Erfahrungen zu machen, sowohl in einer Vorbereiteten Umgebung als auch in der Natur.
  • Wenn Lernprozesse sowie Entwicklung in soziale Situationen eingebunden sind, sind sie effektiver.
  • Lernprozesse und Entwicklung sind effektiver, wenn die Interessen und Ideen der lernenden Kinder berücksichtigt werden.
  • Lernen und Entwicklung sind effektiver, wenn das vorhandene Vorwissen mobilisiert wird, denn die Suche nach dem Sinn ist angeboren.
  • Werden positive Emotionen in das Lernen und Entwickeln eingebunden, ist es effektiver.
  • Verstehen Kinder, wie die erlernten Details mit einem Ganzen zusammenhängen, können sie sich die Details besser einprägen, d.h. es muss für das Kind eine Bedeutung haben und einen Sinn ergeben.
  • Mit der entsprechenden Lernumgebung wird das Lernen intensiver, d.h. es muss eine Lernumgebung gestaltetet werden, die den Bedürfnissen der Kinder angemessen ist.
  • Lernen und Entwickeln wird verbessert, wenn Zeit zum Reflektieren und zum Ausruhen sowie Schlafen bleibt.
  • Es wird besser gelernt, wenn Kinder Informationen und Erfahrungen miteinander ganzheitlich verbinden können.
  • Lernprozesse und Entwicklung sind effektiver, wenn auf individuelle Unterschiede der lernenden Kinder eingegangen wird.
  • Kinder lernen und entwickeln sich besser, wenn sie eine unterstützende, motivierende und herausfordernde Umgebung haben.
  • Es wird effektiver gelernt, wenn Talente und individuelle Kompetenzen berücksichtigt werden.

Für Beispiele der Umsetzung in der Praxis klicken Sie bitte hier.

Für weitere Informationen über die praktische Umsetzung an den Lernorten senden Sie uns bitte eine Anfrage über unsere Kontaktformular.