Archiv für den Monat Januar 2016

Alphabet: Was lernen Kinder in der Schule?

alphabet-film

Was lernen Kinder in der Schule? Anpassung. Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm „alphabet“ analysiert, wie aus kleinen Genies mit Neugier, Kreativität und Talent angstgesteuerte Vermeidungsexperten werden.

Er zeigt aber auch Alternativen auf, wenn das Belehren durchs Begeistern ersetzt wird, das Unterrichten durch Fördern.

Der Dokumentarfilm geht weit über die übliche Diskussion um Schülerstress und Leistungsdruck hinaus. Er sieht in Bildung den Schlüssel zu einer anderen Gesellschaft, in der Menschen nicht mehr für ihre Widerstandslosigkeit belohnt werden.

Ecken und Kanten, ein eigener Kopf und das Hinterfragen von Handlungsmaximen? Das ist im Berufsleben nicht gefragt und die Schule bereitet gut auf diese Verleugnung innerster Impulse vor.

Für all jene, die diese Dokumentation noch nicht gesehen haben oder sie noch einmal sehen möchten, können dies hier machen. Ist unbedingt empfehlenswert und regt zum Denken an, ob es das Richtige ist, was derzeit in unseren Schulen passiert.

Den Link zur Dokumentation gibt es hier (bitte anklicken): Alphabet

Das Kind verstehen

Kind

Das Hauptziel jeder Erziehung muss sein, dem Menschen zu einem besseren Selbstverständnis zu verhelfen und ihm Wege zum inneren Wachstum und zur Verwirklichung seiner Möglichkeiten aufzuzeigen, und zwar zu seinem eigenen Nutzen wie auch zu dem seiner Mitmenschen. In diesem Zusammenhang sind folgende grundsätzlichen Punkte wichtig:

  • Jeder Mensch kommt mit einem inneren Potential zur Welt.
  • Jeder Mensch verfügt über großartige Mechanismen der Selbstregulierung, deren Arbeit wir oft verhindern, indem wir unnötig in grundlegende Prozesse eingreifen.
  • Jeder Mensch, der mit Kindern zu tun hat, ist wichtig und kann als „Erzieher“ tätig werden, da er – das nötige Wissen vorausgesetzt – die Entwicklung des Kindes zu fördern vermag.
  • Die Phase von 0-3 Jahren ist diejenige, in der Körper und Geist zu einer harmonischen Balance finden müssen, da das gesamte spätere Leben von dieser ersten Entwicklungsphase abhängt.

„Der fundamentale Grundsatz für den Erzieher besteht demnach darin, nicht zum Hindernis für die Entwicklung des Kindes zu werden.“

Lernort: Freie Demokratische Schule Kapriole

Kapriole

Auf der Suche nach Lernkulturen 3.0 habe ich am 23. Januar 2016 den Tag der Offenen Tür an der Freien demokratischen Schule Kapriole in Freiburg im Breisgau besucht.

Besonders beeindruckt hat mich hier die demokratische Erziehung, welche in diesem Lernort, mit einer inneren Haltung aller Personen, von Kindern/Jugendlichen über die LehrerInnen bis hin zu den Eltern wirklich gelebt wird. In der Freien demokratischen Schule Kapriole steht nicht der Lehrplan oder Lernstoff im Mittelpunkt, sondern der Mensch.

Vielfalt am Lernort

Die Pädagogik in der Freien demokratischen Schule Kapriole beruht unter anderem auf den Ideen folgender pädagogischen Richtungen:

Eine Schule für das Leben

Die Kinder an der Freien demokratischen Schule Kapriole lernen wann, wo, was, wie und mit wem sie wollen. Sie haben die Freiheit zu tun was sie möchten, solange es die Freiheit der anderen nicht einschränkt.  Kinder und Jugendliche sollen diesen Lernort als einen Ort erleben können, an dem sie sehr gerne sind und mit dem sie sich identifizieren können. Sie sollen hier ihren individuellen Bedürfnissen, Interessen und Fähigkeiten nachgehen können – und sich so in einer respektvollen, entspannten und anregenden Umgebung lebendig und natürlich entwickeln können.

Lernräume

Die Freie demokratische Schule Kapriole ist in zwei Gebäudeteilen eingeteilt. In einen Ostteil und in einen Westteil. Im Westteil befinden sich Lernräume, die mit Materialien für die Kinder vom ersten bis zum vierten Jahrgang ausgestattet sind. Im Ostteil befinden sich Lernräume, die mit Materialen für die Kinder ab dem fünften Jahrgang ausgestattet sind. Durch die Einteilung in OST und WEST – und nicht in Grundschule und Sekundarstufe – wird den Kindern die Möglichkeit gegeben, sich nach ihrem eigenen inneren Entwicklungsplan zu entfalten und Lernangebote dementsprechend früher oder später nützen zu können. Die Kapriole verfügt über zwei Versammlungs- und Theaterräumen, eine Bibliothek, Musikraum, Computerraum, Werkstätten für Mathematik, Deutsch, Sprachen, Holz, Töpfern und Malen, Ruheraum, Küche, Toberaum, naturwissenschaftlichen Raum, Aufenthaltsräume und ein großes Außengelände.

Kinder werden entsprechend ihrem inneren Entwicklungsplan begleitet

Die Kinder und Jugendlichen werden im Alter von 6 bis 18 Jahren an der Freien demokratischen Schule Kapriole von rund 15 LehrerInnen aller Schularten (Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Sonderschule) sowie Sozial-, Heil-, Medien- und TheaterpädagogInnen, NaturwissenschaftlerInnen und KünstlerInnen gemäß ihrem eigenen inneren Entwicklungsplan auf ihrem Weg begleitet.

Angebote und Aktivitäten

Die Angebote orientieren sich an den Wünschen der Kinder und reichen vom Theaterprojekt über Sport bis zur Schreibwerkstatt. Oft zeigen sie sich gegenseitig, wie etwas funktioniert. An der Freien demokratischen Schule Kapriole wird nämlich mit- und voneinander gelernt. Es gibt viel „Raum“, um individuelle Fähigkeiten zu üben und Talente zu entdecken. Die Kinder und Jugendlichen haben Zeit, alles auszuprobieren, was sie interessiert und die Freiheit, selbst zu entscheiden, welches Thema für die gerade „dran“ ist. An diesem Lernort gibt es keine Vorgaben, zu welchem Zeitpunkt sich die Kinder und Jugendlichen mit etwas beschäftigen müssen oder wann sie etwas Bestimmtes können sollen.

Die Angebote finden im Modus „OPEN SPACE“ statt. 

Entwicklung zu wunderbaren Persönlichkeiten

Oft erscheint hierbei der Eindruck, wenn Kinder keine Vorgaben bekommen, wann sie was lernen sollen, dann lernen sie überhaupt nichts und aus ihnen wird nichts werden. In Gesprächen mit den Kindern dort selbst bin ich zu folgenden Erkenntnissen gekommen. Die Kinder sind sehr lernwillig, neugierig, verfügen über ein breitgefächertes Wissen, sprechen Fremdsprachen, sind handwerklich begabt, haben Eigenverantwortung, Teamfähigkeit, Lust am Lernen und Respekt vor der Um- und Mitwelt. Die Kinder haben sich an diesem Lernort wunderbar entwickelt und sind zu einzigartigen, selbstständigen sowie respektvollen Persönlichkeiten herangewachsen.

Die Schulversammlung und Demokratische Erziehung

Die Schulversammlung ist als eine demokratische Institution ein Kernstück des Schulalltags und findet einmal wöchentlich statt – die Teilnahme ist freiwillig. Sie ist das Forum, in dem über alles diskutiert und alles beschlossen werden kann, was für das Gelingen des gemeinsamen Alltags relevant ist. Alle Regeln des Lernortes sind von der Schulgemeinschaft in den wöchentlichen Versammlungen beschlossen worden. Regelmäßig werden dort Regeln wieder geändert, neu erstellt oder abgeschafft. Besonders hervorzuheben ist, dass hier die Kinder sowie die Erwachsenen gleichberechtigt sind und jede einzelne Stimme gleichwertig. Diese Demokratische Haltung wird im Schulalltag von allen – Kindern und Erwachsenen – gelebt. Die aktive Einbindung aller, also auch der Eltern und Kinder und die Tatsache, dass hier alles gemeinschaftlich verantwortet wird, macht die besondere Qualität und den Erfolg der Freien demokratischen Schule Kapriole aus.

In den folgenden Links findet ihr mehr über die Demokratische Erziehung:

Bilder sagen mehr als 1000 Worte

Damit ihr einen guten Einblick in diesen Lernort und eine Vorstellung von einer Vorbereiteten Umgebung und den anderen Elementen bekommt haben wir von den Lernkulturen 3.0 eine Fotogalerie erstellt. Lasst euch inspirieren von diesem Lernort und genießt die Bilder.

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Wann beginnt die Entwicklung des Kindes?

Entwicklung

Eine Welt, die uns sehr unbekannt erscheint und erst seit neuester Zeit von Forschern erschlossen wird ist jene Welt unserer Babys und Kleinkindern. Wir denken oft diese kleinen Menschen liegen in ihrer ersten Lebenszeit nur rum, machen eh keine bemerkenswerten Erfahrungen, und lernen wäre sowie erst Zukunftsmusik, die erst mit 6 Jahren Wirklichkeit werden soll.

Entwicklung in der Schwangerschaft

Dabei werden Erfahrungen bereits in der Schwangerschaft gemacht. Durch das Hören der Stimme der Mutter wird die äußere Umwelt wahrgenommen, das Kind macht durch Bewegung Erfahrungen im Mutterleib, spürt das es einen Körper hat und nimmt durch verschiedene Sinneseindrücke Gefühle sowie Schmerz war.

Informationen über die Entwicklung vom Embryo zum Baby in der Schwangerschaft finden Sie hier.

Entwicklung nach der Geburt / Die Ersten Lebensjahre

Mit der Geburt macht das Kind weitere Erfahrungen. Es atmet zum ersten Mal Luft, nimmt mit seinen Augen die äußere Umwelt wahr, erkennt Personen (vor allem die Mutter) an der Stimme wieder, nimmt mit den Sinnen weitere Eindrücke auf und bekommt ein Gefühl der Geborgenheit, welches das Grundbedürfnis der Verbundenheit stillt. Eine weitere Erfahrung, die das Kleinkind macht ist ständig zu wachsen – körperlich und geistig. Damit es in diesem Wachstum seinem inneren Entwicklungsplan folgen kann braucht es natürlich das nötige Wissen seiner BegleiterInnen über die Entwicklung von Kindern sowie die richtige Umgebung.

Informationen über das Wissen und die Umgebung, in welcher sich ein Kind gemäß des eigenen inneren Entwicklungsplanes entwickeln kann finden Sie in den folgenden Links:

Wir brauchen das Wissen über die Entwicklung von Kindern

Denn es sind genau das Wissen und die Umgebung, welche die Potentiale, die in einem Kind stecken, entfalten lassen. Die BegleiterInnen des Kindes sollen wissen, was es in welcher Altersstufe braucht bzw. was im Zuge es inneren Entwicklungsplans in welcher Altersstufe zum Vorschein tritt. Informationen über die einzelnen Entwicklungsstufen können Sie unter folgenden Links finden:

Entwicklung ist ganzheitlich und kennt keine zeitlichen Grenzen

Wir müssen also versuchen die Entwicklung des Kindes ganzheitlich und nicht in einzelne Abschnitte getrennt einordnet zu sehen. Denn genau diese Einschnitte in das Leben der Kinder hindern die Entfaltung ihrer angeborenen Persönlichkeit. Die Entwicklung eines Menschen beginnt schon vor der Geburt und vollzieht sich das gesamte Leben lang. Der innere Entwicklungsplan eines Menschen kennt keine zeitlichen Grenzen. Aber wir Menschen machen diese Grenzen. Ein Beispiel eines solchen Einschnittes wäre der Beginn der Schulbildung mit ca. 6 Jahren. Es gibt jedoch Kinder, die schon mit 5 Jahren oder früher dafür bereit wären oder aber auch Kinder die es noch nicht mit 7 Jahren oder später sind. Diese starren Strukturen stimmen überhaupt nicht mit dem inneren Entwicklungsplan des Kindes überein.

Aufruf, an alle, die mit Kindern zu tun haben

Warum machen wir das aber so? Der Grund liegt darin, dass uns das Wissen über die Entwicklung von Kindern fehlt. Darum ein Aufruf an alle, die mit Kindern zu tun haben, sei es zu Hause, in der Kinderkrippe, im Kindergarten oder in der Schule, eignet euch das Wissen über die Entwicklung des Kindes an, damit sich die Persönlichkeit und die Potentiale nach dem inneren Entwicklungsplan entfalten können.

Die folgende Dokumentation soll euch dabei unterstützen einen Anfang zu machen.

Falls ihr Fragen zum Thema Entwicklung von Kindern habt oder mehr über dieses Thema wissen wollt, dann schreibt uns über unser Kontaktformular und wir stehen gerne für eine Beratung zur Verfügung.

 

Volksschule Marienberg: Lernort mit besonderer Vielfalt

Marienberg

Auf der Suche nach Lernkulturen 3.0 kam ich am 15. Januar 2016 nach Bregenz um mir dort den Tag der offenen Tür der Volksschule Marienberg anzusehen.

Eine besondere Vielfalt prägt das Konzept dieses Lernortes

Ich bin durch die Vielfalt an Konzepten, die in diesem Lernort gelebt werden, besonders beeindruckt worden. Dort gibt es nicht nur ein Konzept, an das sich alle Kinder anpassen sollen, sondern mehrer Konzepte, die jedem Kind die Möglichkeit geben sich nach ihrem eigenen Entwicklungsplan zu entfalten. Dabei habe ich 5 reformpädagogische Konzepte kennen lernen dürfen.


Jenaplan Pädagogik

„Jeder Mensch ist wertvoll, er sollte in seiner Eigenart angenommen werden und sich akzeptiert fühlen!“

Bsp.: In diesem Lernort lernen die Kinder in altersgemischten Gruppen.

Freinetpädagogik

„Den Kindern das Wort geben!“

Bsp.: In diesem Lernort finden im Klassenrat demokratische Abstimmungen über Entscheidungen statt und die Kinder können durch die Verteilung von Ämtern lernen Verantwortung zu übernehmen.

Pestalozzi Pädagogik

„Lernen mit Kopf, Herz und Hand“

Bsp.: Bei der Raumgestaltung werden die Kinder aktiv miteinbezogen. So können die Kinder ihre eigene Lernumgebung gemeinsam mit den LernbegleiterInnen gestalten.

Montessori Pädagogik

„Hilf mir es selbst zu tun!“

Bsp.: Durch die vorbereitete Umgebung wird ein Lern- und Erfahrungsraum geschaffen, in dem die Kinder viel Selbstständigkeit erlangen können.

Marchtalerplan

Bsp.: Durch den Marchtalerplan wird eine ganzheitlich personale sowie soziale Erziehung erzielt.

Durch die Kombination der einzelnen Konzepte entsteht für die Kinder eine Umgebung, die es ihnen ermöglicht sich nach ihrem eigenen Entwicklungsplan zu entfalten.

Großer Außenbereich mit einem eigenen Schulgarten

Eine weitere Besonderheit ist der große Außenbereich, wo sich die Kinder frei in der Natur bewegen können und gemeinsam viele neue Erfahrungen und Entdeckungen machen können. Auch die Arbeit im eigenen Schulgarten darf nicht zu kurz kommen. Die dort angepflanzten Obst- und Gemüsearten werden von den Kindern gepflegt und gemeinsam geerntet sowie verarbeitet.

Das Leben an diesem Lernort

Um mehr über den Alltag an diesem Lernort zu erfahren bitte den Film über diese Volksschule der besonderen Art dazu ansehen und die Eindrücke vom Leben dort genießen.

Bilder sagen mehr als 1000 Worte

Damit ihr einen guten Einblick in diesen Lernort und eine Vorstellung von einer Vorbereiteten Umgebung und den anderen Elementen bekommt haben wir von den Lernkulturen 3.0 eine Fotogalerie erstellt. Lasst euch inspirieren von diesem Lernort und genießt die Bilder.

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