Schaffen wir die Bedingungen für ganzheitliches Lernen!

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Um mein Wissen bezüglich der Bedingungen unter denen Kindern lernen zu erweitern, bin ich gerade an verschiedenen Lernorten zu Besuch. Dafür habe ich für all jene, welche ihren Lernort neu gestalten möchten, einige nützliche Tipps zusammengetragen. Ganz nach dem Motto „Auch mit kleinen Schritten kommen wir an unser Ziel“ hoffen wir, dass ihr euch auf den Weg macht. Erinnert euch dabei an treue Verbündete, die mit euch gehen!

Folgende Elemente verstärken eine Lernkultur der Gemeinschaft:

  • Vorbereitete, vielfältige Umgebung mit Materialien -> Alle Sinne, Lerntypen, Lernintelligenzen etc. – kurz gesagt die gesamte Persönlichkeit aller Kinder –   soll angesprochen werden. Das Lernen wendet sich von der autoritären Ein-Lehrer-Beziehung ab hin zu einer Beziehung mit den Materialien in Anwesenheit mehrerer Erwachsenen.
  • Das Kind muss sich selbst organisieren -> Der Erwachsene und Lernbegleiter soll präsent sein, aber vorurteilendes Eingreifen unterlassen
  • Lernen braucht Zeit -> 50-Minuten-Einheiten sollten aufgelöst und stattdessen längere, bedarfsorientierte Lernphasen eingerichtet werden
  • Dösen, Schlafen und Ausruhen sind wichtig -> Für die Verarbeitung von Inhalten braucht es unbedingt Ruhephasen, in denen auch „nichts“ gemacht werden darf.
  • Erwachsene sollen Kinder einladen und inspirieren -> Kein Kind soll mit Material „zwangsbeglückt“ werden. Der Lernbegleiter soll inspirierend einladen, Material anbieten und darauf warten, bis das Kind seine eigene Motivation entdeckt.
  • Kinder müssen nicht alles, was man ihnen zeigt, sofort verstehen -> Den Kindern stehen Freiräume zu, in denen sie den Zeitpunkt, die Zeitdauer, den Lernort, die Häufigkeit der Wiederholung, den Spielpartner etc. selbst bestimmen können.
  • Weder belohnen noch tadeln -> Noten, Bewertungen, Prüfungen, Tests, Kontrollen, Schulbücher oder Strafen verhindern echtes, nachhaltiges Lernen. Sie verschieben den selbstständigen Lernwillen des Kindes hin zu einer Erfüllung von Diensten, die von Erwachsenen in den Auftrag gegeben wurden.
  • Kinder experimentieren, entdecken, forschen lassen -> Erst eingreifen, wenn das Kind selbst nach Hilfe ruft oder wenn durch gezielte Beobachtung des Lernbegleiters ein helfender Impuls notwendig wird. Der Prozess sowie die Freude am Lernen sind wichtiger als das Ergebnis.
  • Blick auf das Gelingende -> Kinder nicht korrigieren! Das Kind muss entweder alleine auf den Fehler stoßen oder der Erwachsene senkt die Schwierigkeitsstufe.
  • Es gibt kein Richtig oder Falsch -> Da der Prozess wichtiger ist als das Ergebnis, zählt die Einsicht der Kinder in den Weg des Lernens mehr. Ein „Richtig“ oder „Falsch“ liegt immer im Auge des Betrachters. Verschiedene Betrachter sehen die Situation unterschiedlich, damit sind „Richtig“ oder „Falsch“ unstete Bewertungsmaßnahmen. Die Kommunikation über den Prozess hebt das Gelingende besser hervor.
  • Spielen ist für Kinder von besonderer Bedeutung -> Kinder lernen indem sie spielen. Das Lernen sollte in Spielformen eingebettet sein. Dazu lassen sich viele Lernerfolge in eine spielerische Umgebung packen.
  • Verknüpfungen im Gehirn herstellen -> Dafür braucht es verschiedene Materialien und Zugänge, damit im Kopf neue Bilder entstehen oder bestehende Bilder ersetzt werden. Ziel ist, dass das Kind den Gegenstand wahrhaftig BEGREIFT.
  • Mehrere LernbegleiterInnen stehen für die Kinder bereit -> Das Zeitalter der Einzelkämpfer ist vorbei! Trotz der verbreiteten Tatsache, dass Gelder für zusätzliches Personal knapp sind, sollten zusätzliche Erwachsene am Lernort mitwirken. Das könnten Eltern, Pensionierte, Arbeitslose, Vereine etc., aber auch Jugendliche sein. In einer koedukativen Einrichtung sollte auch stets eine ausbalancierte Mischung weiblicher und männlicher Begleitpersonen präsent sein.
  • Bedeutung und Sinn schaffen -> Know-Why statt Know-How! Die Tätigkeit soll für das Kind eine Bedeutung haben und einen Sinn ergeben.
  • Lange in der konkreten Phase bleiben -> Wir gehen viel, viel, viel zu schnell in die abstrakte Phase. Für die konkrete Phase braucht es Sinnesmaterial sowie andere Materialien zum Spielen und Begreifen.
  • Verschiedene pädagogische Richtungen an einem Lernort vereinen ->  Lernorte, die nur ein alleinstehendes pädagogisches Konzept anbieten, u.a. Montessori, Piaget, Hengstenberg, Wild, Rousseau, O. Fred Donaldson, vergessen auf die Unterschiedlichkeit in den Persönlichkeiten der Kinder. Nicht jedes Kind am Lernort kommt beispielsweise mit montessorischen Lernerfahrungen klar. Deswegen ist ein Angebot mehrerer Konzepte weitaus förderlicher.
  • Jahrgangsdurchmischung -> Stufengetrennten Klassenformen unterdrücken Unterforderte und erdrücken Überforderte. Es soll zu einer Zusammenführung zweier oder mehrerer Stufen kommen, damit ältere und jüngeren Kindern in Gemeinschaft voneinander lernen können.
  • „Original Play“ -> Die Kinder sollen von Herzen spielen. Das ist der Grundstein für demokratische Erziehung. Mehr dazu erfahrt ihr hier.
  • Klassenräte und Schülerparlamente -> Diese braucht es für eine demokratische Erziehung der Kinder. So lernen die Kinder den Umgang mit unterschiedlichen Meinungen und ausgemachten Vereinbarungen.

Wer sich noch in die Bedeutung der „Vorbereiteten Umgebung“ einlesen möchte, findet unter diesem Link einen aktuellen, vertiefenden Beitrag.

Bei Fragen oder Anregungen stehen wir von den Lernkulturen 3.0 gerne zur Verfügung. Bitte sendet uns dafür eine kurze Anfrage über unser Kontaktformular.

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