Archiv für den Monat Oktober 2015

Woher stammt unser Schulsystem?

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Da es mich sehr interessiert, wie es zu diesen Strukturen unseres Schulwesens gekommen ist und was der Sinn dahinter war, habe ich mich auf Recherchearbeit gemacht:

Um unser heutiges Schulsystem zu verstehen, müssen wir eine Reise zu den Ursprüngen des österreichischen Schulwesens machen. Wozu wurde das Schulwesen überhaupt eingeführt? Welche Gedanken spielten damals eine Rolle? Welche Umstände haben das Schulwesen geprägt? usw….

Spannende Informationen und Antworten auf diese Fragen liefert folgende Website: Geschichte des Schulwesens

Bitte alle Menüpunkte (auf der linken Seite) durchlesen, dann kann sich jede und jeder selbst seine Meinung dazu bilden.

Wer Lust hat seine Gedanken und Meinungen zu dieser Thematik mitzuteilen, kann das in Form eines Kommentars oder über unser Kontaktformular erledigen.

Für mich persönlich ist folgender Satz äußerst interessant: „Die Reformen Maria Theresias und Josephs II. folgten stets einem Nützlichkeitsideal“

Ist das in den heutigen Schulen immer noch verankert? Werden die Kinder immer noch so gesehen, wie sie einmal für die Wirtschaft und die Gesellschaft sein sollen? Teile uns deine Meinung dazu mit.

Meine Erfahrungen in der LAIS-Schule Klagenfurt

LAIS Logo

Im September 2015 habe mich entschieden, ein Praktikum an der LAIS-Schule in Klagenfurt zu absolvieren. Ich habe dort eine neue Lernkultur kennengelernt, in der Kinder Kinder sein dürfen und sich auch als solche entfalten können. Hier werden die Kinder nicht so gesehen, wie sie einmal sein sollten, sondern so, wie sie in Wirklichkeit sind. Wie es dort so abläuft, möchte ich in einem kurzen Bericht erläutern. Er soll jene Menschen inspirieren, die sich für eine Veränderung unserer Lernkultur einsetzen.

Grundzüge der LAIS-Schule

Die LAIS-Schule bekam schon im Schuljahr 2014/2015 von zahlreichen Leuten Materialien geschenkt, um eine Umgebung zu gestalten, die Kindern ein natürliches Lernen ermöglicht. Diese Form des Lernens soll inmitten der Gesellschaft stattfinden, d.h. viele Bereiche des Lebens sind in den Schulalltag integriert. Native Speaker (Es werden über 10 verschiedene Sprachen gesprochen – von Kindern sowie Erwachsenen), Experten aus verschieden Berufen, Menschen mit Lebenserfahrung, die sogenannten „Elders“ (Austausch zwischen den Generationen) und viele weitere Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Rollen prägen das natürliche Lernen der Kinder.

In den ersten Schulwochen steht das einander Kennenlernen im Vordergrund. Die bereits erfahrenen Kinder nehmen sich der neuen Kindern an und bilden mit mit ihnen altersgemischte Gruppen, denn die Lernerfahrungen werden meist in Gruppen gemacht. Diese Gruppen werden von den Kindern selbstständig gebildet. Diese durchmischen sich im Laufe des Jahres immer wieder von selbst. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass jeder Mensch auf Augenhöhe behandelt wird. Es gibt keine diskriminierenden Unterschiede in der LAIS-Schule. Natürliches Lernen findet immer und überall statt und so kommt es, dass jeder, ob Kind, Lernbegleiter, Praktikant, Koch, Eltern, usw… in der LAIS-Schule mitlernt.

Die Kinder entscheiden über ihren Lernweg

Fragen zu stellen ist ein wesentliches Element des natürlichen Lernens. Über diese Fragen versuchen die Kinder dann anschließend in der Gruppe zu einer Antwort zu kommen. Je nachdem was gebraucht wird, haben die Kinder die Möglichkeit, Experten zu den jeweiligen Bereichen zu organisieren. Ebenso wird auch die Organisation der Nachmittage, an denen Projekte stattfinden, von den Kindern übernommen. So wird den Kindern ermöglicht Verantwortung zu übernehmen und selbstständig zu werden. Jede und jeder in der LAIS-Schule soll die Möglichkeit bekommen sich verwirklichen zu dürfen. Auch die Lernbegleiter sind Lernende.

Ein weiteres Element der LAIS-Schule ist es, natürliches Lernen mit dem Bildungskonzept zu verknüpfen. So ist es auch möglich, dass die Kinder mit Faktoren wie Druck, Stress, Prüfungen und anderen Herausforderungen, die ihnen das Leben bietet, umzugehen. Wichtig ist es zu akzeptieren, dass Kinder anders wahrnehmen und sich zu fragen, was Kinder brauchen. Wenn sie den nötigen Halt bekommen, können Kinder mit Begeisterung und Neugier lernen. Ein Thema wird erst dann aktuell, wenn es von Interesse der Kinder ist. Denn man könne laut Aussagen der Kinder nur mit Begeisterung lernen, da ohne innere Motivation Lernen nicht funktioniere.

Vielfältige Angebote bereichern das Schuljahr

Es finden jeden Tag andere Angebote statt, ob sportlich, musisch, kreativ usw. Gelernt wird nur, was das Kind momentan wünscht oder braucht. Am Vormittag vollzieht sich ein Wechsel zwischen Lernen, Bewegung, Sprache und Kreativität. Jeder im LAIS-Team bringt eine Fülle von Lebenserfahrung mit und versucht diese Erfahrung an die Mitmenschen weiterzugeben. Besonders vorzuheben ist, dass auch die Eltern Teil des Ganzen sind und ebenso am Lernen beteiligt sind. Verantwortung wird in der LAIS-Schule groß geschrieben und so hat auch jede und jeder in der Schule einen Verantwortungsbereich, denn nur so lernen die Kinder Verantwortung zu übernehmen. Selbst die Räumlichkeiten werden von den Kindern gestaltet, gereinigt und sauber gehalten.

Der Alltag in der LAIS-Schule ist voll mit Herausforderungen, die nur gemeinsam gelöst werden können. Schlussendlich werden durch diese Herausforderungen eine echte Entwicklung und ein selbstbestimmtes Wachsen der kindlichen Persönlichkeit herbeigeführt.

Für mich persönlich ist wiederum ein weiterer Schritt klar geworden, was Kinder zum Entwickeln brauchen:

  • Eine passende Umgebung, in der sie lernen sowie ihre Erfahrungen machen können.

  • Alles was Kinder machen, soll für sie persönlich einen Sinn ergeben und eine Bedeutung für sie persönlich haben, denn erst dann kommt die innere Motivation, mit der sie mit Begeisterung lernen.

  • Es braucht eine der Entwicklung entsprechende Lernatmosphäre.

Das Tiroler Schulwesen bricht auf

Logo Volksschule im Aufbruch
Logo Volksschule im Aufbruch

Nach einer intensiven, ganz Tirol umfassenden Abfolge von Symposien zum Thema „Volksschule im Aufbruch“, welches sich vor allem auf den Übergang vom Kindergarten in die Volksschule konzentriert, begeben sich nun über 70 Lehrpersonen und KindergartenpädagogInnen partizipativ in vier autonomen Gruppen auf einen gemeinsamen Weg zur Auffrischung und Veränderung der Tiroler Schulstrukturen.

Dieser lange Satz bedeutet die bereits intensive Vorarbeit des Tiroler Landesschulrates, von dem die Intitiative ausging, sowie der Mitarbeit einiger Bildungsbereiche, wie der PHT, an diesem großen Projekt. Menschen aus ganz Österreich gaben Impulse, wie das Lernen an den Schulen anders gestalten werden kann. Tirol kann anders, so lautet der Ruf, wenn wir alle zusammenarbeiten und uns neue Ideen überlegen. Wenn wir genau hinschauen, gibt es bereits genügend Beispiele, wie Schule anders sein kann. Was fehlt, ist das entsprechende Licht und die notwendigen Ressourcen, um diese Orte stärker leuchten zu lassen.

Dazu wurde diese Initiative ins Leben gerufen!

Die engagierten Kräfte haben sich auf folgende vier Bereiche aufgeteilt:

  • Gestalten des Übergangs Kindergarten – Volksschule
  • Sprachbildung mit Fokus auf die Erstsprache/Mehrsprachigkeit
  • Lernverlaufsdokumentation (vorher „Kompetenzraster“)
  • Mehrstufenklassen

Die Arbeit in diesen Gruppen findet autonom statt. Das heißt, alle Beteiligten organisieren sich selbstständig und haben freie Wahl bei der Auswahl der Mittel. Einzig und allein das Ziel bestimmt den Zweck des Engagements: Nächstes Jahr werden die Ergebnisse dem breiten Schulpublikum zur empfehlenswerten Verwendung veröffentlicht.

Mag sein, dass Betroffene denken, dass das Produkt niemanden interessieren und in einer Schublade landen wird. Nur wenn wir nie etwas machen, dann wird sich erst recht nichts ändern. Das Bedürfnis, etwas zu verändern, ist stärker als die Möglichkeit des Scheiterns. Deswegen brauchen wir Menschen, welche die ohnmächtige Empörung in positive Energien wandeln und diesen Menschen und den Schulen neue Kraft geben. Diese Kraft wird aus der gemeinsamen Zusammenarbeit geschöpft, der gemeinsamen Hoffnung auf eine veränderte Schulkultur.

Wir brauchen eure Stimmen für das „Ideenkanal“ Online-Voting!

Ideenkanal

Wir haben die Idee der Lernkulturen 3.0 in das Fördernetzwerk Ideenkanal „Tirol“ einfließen lassen. Wir haben unsere Bestätigung erhalten und suchen nun nach Stimmen für das Online-Voting. Das Online-Voting startet am Freitag, den 09. Oktober (11:00 Uhr) und endet am Dienstag den 13. Oktober 2015 (11:00 Uhr).

Jede einzelne Stimme gibt den Lernkulturen 3.0 mehr Licht. Unterstützt das Bestehen und Entstehen gemeinschaftlicher Lernorte hier in Tirol und darüber hinaus! Teilt den Aufruf auch mit euren Mitmenschen. Vielen Dank für eure Stimme!

-> Ein Bild zeigt euch, auf welches Feld ihr morgen klicken dürft. Das Feld befindet sich ganz unten auf unserer Vorstellung im Ideenkanal.

Hier geht’s zum Online-Voting

Erfolg ade, nur das Lebenswerk wirkt

Hohe Luft Magazin

Gedanken zum Artikel „Was bringt Erfolg?“ des Magazins „Hohe Luft“

Ich wünsche mir für jedes Kind, dass es seinem Leben Sinn geben darf. Dazu soll es an seinem eigenen Lebenswerk arbeiten und sich nicht von anderen sein Leben vorschreiben lassen.

Was bringt Erfolg? Was bringt Leistung? Was haben wir davon, wenn wir erfolgreich sind? Müssen wir zuerst etwas leisten, um erfolgreich zu sein? Schaffen wir es zu solchem Reichtum wie Bill Gates? Hatte er einfach nur viel geleistet, um so erfolgreich zu sein? Warum gibt es Youtuber, denen Millionen von Menschen folgen, nur weil sie Produkte aus dem DM vorstellen, ein Computerspiel kommentieren oder eine Erbse über 100 Kilometer mit der Nase rollen? Haben die etwas geleistet, um diesen Erfolg zu verdienen? Oder war alles nur reines Glück, vielleicht eine unterhaltsame Show? Warum sprechen wir diesen Menschen überhaupt Erfolg zu?

Alle wollen irgendwie erfolgreich sein

Der Geist der Chancengleichheit fördert diesen Wunsch umso mehr. Dabei werden wir immer unzufriedener, weil wir nicht erreichen, was vielleicht andere erreichen. Um dem Sog dieser Unzufriedenheit zu entfliehen, müssten wir akzeptieren, dass wir ungleich sind. Denn wir sind wie vor vielen Jahren immer noch grundverschieden. Oder eben auch einzigartig.
Und wenn wir dem „Erfolg“ im traditionellen Sinne weniger Achtung schenken, und die Bedeutung eines Menschen an seinem „Lebenswerk“ messen, dann bekäme unsere Welt ein neues Gesicht. Kapitalismus, der sich am Werkprinzip orientiert, würde jene belohnen, die für andere etwas leisten. Unternehmen würden Produkte entwickeln, die sinnvoll sind und unser Leben bereichern. Führung wäre dazu da, damit andere ihre Fähigkeiten entfalten können.

Das Lebenswerk schöpft aus dem Ganzen

Wir würden wirken, erschaffen und schöpferisch sein. Wir erfüllten weder eine Leistungsnorm noch eine Erscheinungsmode, nein wir erfüllten uns das „Lebenswerk“. Dieses Werk erfordert mehr als nur Leistung und Erfolg. Es stiftet Sinn, es hat einen Nutzen und wirkt in die Welt hinaus. Dieses Werk hat einen ethisch korrekten Kern, einen lebendig ästhetischen Charakter und positive ökonomische Auswirkungen. Es ist im Ganzen „gut“.

Schule kann das sein. Schule kann sich nach dem Werkprinzip orientieren und Kinder ihr Lebenswerk gestalten lassen. Sie kann aber auch vorgeben, einschränken, bremsen und verurteilen. Wir entscheiden über unsere Schulen. Wir allein tragen die Verantwortung.