[SERIE „Frederick Mayer“: Teil 1] Eine Schule stellt sich vor: Die Wilhelm-Schule

Eine neue Bildung - Frederick Mayer
Auszug (Teil 1) aus diesem Buch

Dies ist eine wahre Geschichte, die glücklich beginnt, aber bitterschade endet. Der Inhalt stammt aus dem kürzlich vorgestellten Buch „Eine neue Bildung für eine neue Gesellschaft“ von Frederick Mayers.

Autoritäre Erziehung bringt gefügige Kinder hervor. Sie führt zu Frustration und zu direkter und indirekter Aggression. Sie lässt eine sterile antidemokratische Gesellschaft wuchern.

Der umspannende Rahmen

Die Wilhelm-Schule steht in Houston, Texas, wurde von Marilyn Wilhelm ins Leben gerufen und begann 1967 mit 3 Schülern. Sie wuchs bis an die Hundert im Alter zwischen zwei und fünfzehn Jahren. Sie hat einen internationalen Ruf erhalten und viele Menschen haben sie besucht, um die „dynamische Erziehung“ in Aktion zu sehen.
Die Wilhelm-Schule stellt eine kosmopolitische Gemeinschaft dar: Viele Kulturen und Nationalitäten sind vertreten. Unterschiede in der Herkunft sind willkommen. Auch in den Elternhäusern zeigt sich die Vielfalt in den verschiedenen Lebensarten. Viele Kinder bekommen Stipendien, da sich die Schule als eine demokratische Institution sieht, offen für jede Gruppe und Herkunft.

Antiautoritäre Erziehung kann zur Anarchie führen und zu grenzenloser Langeweile. Sie kann das Kind von den reichen Quellen der Zivilisation fernhalten, von den Künsten und den Wissenschaften, von einer Begegnung mit der Größe.

Die Züge des Lernens

Die Unterweisung beginnt mit der Kultur der Welt. Die Lehrenden kommen aus der ganzen Welt. Den Kindern wird bewusst, dass hohe Kultur nicht das Monopol einer einzigen Nation ist. Kurzum, sie werden zu Weltbürgern.

Der Einfluss der östlichen Kultur gibt ihnen das Gleichgewicht und die Wertschätzung der Meditation und Verinnerlichung. Ziel ist das ausgeglichene Wachstum. Der Körper soll durch richtige Ernährung und Übung, der Geist durch ständige Aufforderung, die Seele durch Sozialbezogenheit harmonisch entwickelt werden.

Der Hauptakzent in der Wilhelm-Schule liegt auf einer positiven Einstellung. Noten sind tabu. Kein Kind wird durch den Lehrer entmutigt. Es gilt das Motto „Wir wachsen an unseren Fehlern!“. Deswegen werden Lehrer nach ihrem Enthusiasmus ausgewählt. Sie müssen Kinder wirklich lieben und Freude an ihren Aktivitäten haben. Sie lieben ihre Arbeit und haben weitreichende Interessen.

Prinzip ist, dass jedes Erwachseneninteresse dem Schüler mitgeteilt und übertragen werden kann, wenn der Erwachsene Intensität, kommunikative Fähigkeit und Liebe zu Kindern hat.

Kunst hat eine zentrale Bedeutung. Die Kinder gehen Aufführungen und schreiben und illustrieren Bücher mit Haiku-Gedichten. Die Schule hat ihre eigenes Streichquartett, ein Orchester und eine Schauspielgruppe. Die Kinder schreiben und spielen ihre eigenen Stücke.
Kunst und Wissenschaft werden verbunden. Dazu werden Personen von außerhalb, beispielsweise von Universitäten, eingeladen. Einer der Besucher sagte, dass die Kinder an dieser Schule mit ihren Fragen gleich reagierten wie manche College-Anfänger, jedoch mit Ausgeglichenheit und einer erstaunlichen Leichtigkeit in der Kommunikation.

Der Horizont der Kinder wird erweitert durch ihre Korrespondenz mit Kindern aus anderen Ländern. Es wird ihnen gelehrt, auch die Gefühle anderer zu achten und gütiges Verhalten dankbar anzuerkennen.

Im selbst gespielten Stück „Die hässliche Prinzessin“ kamen die Kinder zur Erkenntnis, dass niemand hässlich sei, sondern die Prinzessin eine innere Schönheit besäße. Sie lernten takvoll zu sein.

Die Eltern sind mittendrin

Die Mithilfe der Eltern ist von grundlegender Bedeutung für den Schulerfolg, denn sie bewerten die Kinder durch einen regelmäßigen Bericht über deren Fortschritt. Die Berichte geben den Standpunkt der Kinder wieder, ihr Verhältnis zu den Geschwistern und zur Welt der Erwachsenen.
Eltern und Lehrer kooperieren, um einen maximalen Einfluss auf die Kinder zu haben. Unzulänglichkeiten in der Familie müssen behoben werden, soll das Kind harmonisch aufwachsen.

Sie alle lernen und leben miteinander

Besonders charakteristisch für die Wilhelm-Schule ist die Art, wie ältere Kinder die jüngeren unterweisen. Das ist ein Teil der erziehlichen Entwicklung, und es gibt ihnen Zuversichtlichkeit und Verantwortungsgefühl. Zusätzlich wird ein unabhängiges Studium durch die Schule sehr gefordert. Wenn sich Kinder für einen Gegenstand interessieren, werden sie nicht zu einem weiteren Thema gedrängt.

Forschungsergebnisse zeigen („Prozess des Lernens“ von Bruner, Filmdokumentation von Moore und Anderson, „Häusliches Mileu und Schule“ von Elizabeth Fraser, Tiervergleiche von Hymovitch und Forgays/Forgays), dass Lernanregungen im frühen Kindesalter von grundlegender Bedeutung sind und spätere Bemühungen weniger Erfolg zeigen.

Das bittere Ende

Leider musste die Schule trotz ihrer internationalen Anerkennung geschlossen werden, da sie in Texas oft als subversiv angesehen wurde und damit nicht genug Spenden bekam.
Noch kann auf ihre Homepage zugegriffen werden. Besonders hervorheben möchte ich die Alumni-Seite – um zu sehen, was aus den Schülern geworden ist.

Logo der Wilhelm-Schule
Logo der Wilhelm-Schule

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